Scania Kolonne Platooning

Durch Platooning lassen sich Spritkosten deutlich senken

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Spediteure zögern bei automatisierten Lkw

In zehn Jahren könnte laut einer Studie jeder dritte verkaufte Lkw in Europa vollautomatisch fahren – die Frage ist, wer die Investitionskosten trägt.

Stuttgart. Schon im Jahr 2025 wird jedes dritte verkaufte Nutzfahrzeug in Europa in Fahrsituationen wie auf der Autobahn vollautonom fahren können. Das geht aus einer Studie hervor, die die Unternehmensberatung McKinsey im Vorfeld der IAA Nutzfahrzeuge 2016 in Hannover veröffentlicht hat. Mehrere Lkw-Hersteller tüffteln und testen derzeit in diesem Technikbereich.

In der Logistikbranche verfolgt man die Entwicklung aufmerksam: „Das automatisierte Fahren wird schnell Realität“, sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV). Noch sind für die Spediteure vor allem Spritspartechnik und Fahrerassistenz wichtig. Automatisiertes Fahren steht laut einer Umfrage im Auftrag des Zulieferers Continental nur bei 20 Prozent der Logistiker auf der Wunschliste. Gleichzeitig rechnet die Branche mit spitzem Bleistift. Der Continental-Umfrage zufolge müssen sich Investitionen in spritsparendes Fahren beispielsweise in zwei Jahren rechnen.

DSLV-Geschäftsführer Huster glaubt daher: „Sobald die entsprechenden Systeme Serienreife erlangen, rechnen sie sich auch.“ Aus Sicht des Verbands könnte mittelfristig vor allem das so genannte Platooning interessant werden. Durch den geringeren Luftwiderstand und die gleichmäßige Fahrweise soll der Spritverbrauch um bis zu zehn Prozent sinken, so die Hersteller. Laut Schätzungen von der Beratung Oliver Wyman sind Lastwagen in Deutschland im Schnitt zudem nur zu 50 bis 60 Prozent ausgelastet. Das könnte sich durch die Vernetzung ändern. Elektronische Frachtbörsen etwa könnten eine höhere Auslastung gewähren, die Vernetzung könnte mit Verladeterminals Wartezeiten reduzieren. Außerdem sollen Echtzeitanalysen der Fahrzeuge Wartungsarbeiten vereinfachen.

Automones Fahren verändert die Kalkulation

Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY sieht noch einen anderen Aspekt: „Es ist zwingend notwendig, die Sicherheit bei Lastwagen zu erhöhen“, sagt er. „Es gibt zu viele Auffahrunfälle durch übermüdete Fahrer.“ Außerdem stehe die Branche auch unter Druck, weil der Nachwuchs fehle, sagt Joris D'Incà, Logistik-Experte bei Oliver Wyman. „Vollautomatische Lastwagen wären eine Möglichkeit, den Fahrermangel abzuschwächen.“

Ganz ohne Fahrer dürften 40-Tonner auf lange Sicht kaum über die Autobahn donnern. Mit etwas Fantasie seien aber Szenarien denkbar, in denen ein Lastwagenfahrer acht Stunden fährt und ihn ein Fahrerassistenzsystem stark entlastet, sagt Fuß. „Das könnte so weit gehen, dass Fahrzeiten nicht als Lenkzeiten angerechnet werden.“ Damit ergäbe sich eine neue Kalkulation. „Es könnte zum Beispiel auf Pflichtstopps verzichtet werden“, so Fuß weiter. Denn jede Minute, in der der Lastwagen rollt, bringt einen Effizienzgewinn für die Spedition.

Technisch werden die Systeme schon in den nächsten fünf Jahren soweit sein. „Die Frage ist, in welcher Geschwindigkeit die Systeme aufgrund der Gesetzgebung kommen werden.“ Außerdem stehen vor den Einsparungen erst einmal Investitionen. Spannend werde, wer diese tragen wird. „Die Spediteure selbst sind bereits im einstelligen Margenbereich tätig“, sagt D'Incà. Ihnen dürfte daher die Finanzkraft fehlen, Flotten umzustellen. „Wahrscheinlicher werden Leasing- und Flottenmanagementmodelle von Herstellern und spezialisierten Anbietern sein.“ (dpa/ag)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special LKW-LANDVERKEHR & STÜCKGUT.

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