Spediteure: Autobahntunnel für Gefahrgut-Transporte freigeben

Thüringens Spediteure fordern freie Fahrt für Gefahrgut-Transporte: Das Land wollte m vergangenen Jahr über die Freigabe der Tunnelkette im Thüringer Wald entscheiden

Suhl. Thüringens Spediteure fordern, die Autobahntunnel im Land für Gefahrgut-Transporte freizugeben. Es sei sicherer, Lastwagen mit Chemikalien oder Treibstoffen auf ebener Erde durch einen Tunnel zu fahren, als sie über gefährliche Gefällstrecken durch den Thüringer Wald zu schicken, sagte Ulrich Hoffmann, Referent beim Landesverband Thüringen des Verkehrsgewerbes (LTV), in einem dpa-Gespräch. Auch neue Tunnel müssten zwingend so konzipiert werden, dass Gefahrguttransporte passieren dürften. Das Land wollte ursprünglich im vergangenen Jahr über die Freigabe der Tunnelkette im Thüringer Wald für Gefahrgutlaster entscheiden. Das blieb aber bisher aus. „Das Thema wird von den Ministerien bewusst verschleppt“, sagte Hoffmann. „Erst hieß es, das Gefahrenabwehrzentrum in Zella-Mehlis müsse erst in Betrieb sein, und jetzt, wo das längst der Fall ist, werden wieder andere Argumente vorgeschoben.“ Das Zögern in Erfurt sei aus Sicht der Thüringer Spediteure unerklärlich. Es wirke so, als ob es etwa beim Rennsteigtunnel doch größere Sicherheitsdefizite gebe als bisher angenommen. Der mit knapp acht Kilometern längste deutsche Autobahntunnel war vor vier Jahren in Betrieb genommen worden. Er gehört zu einer Kette von vier Tunneln der Autobahn 71 durch den Thüringer Wald. „Irgendetwas haut da aber nicht hin - sonst wäre der Tunnel längst für Gefahrgut freigegeben“, sagte Hoffmann. Denkbar sei immer auch eine Freigabe nur für bestimmte Gefahrstoffe. „Wenn man das will, geht das alles.“ Die jetzige Regelung, nach der alle Lastzüge mit allgemeinem Gefahrgut die A 71 verlassen müssen, um auf kurvigen Bergstraßen durch das Mittelgebirge zu fahren, provoziere geradezu dazu, „die Schilder hochzuklappen und einfach durchzufahren“. Nach Schätzungen von Hoffmann hat jeder zehnte bis fünfzehnte Laster irgendein Gefahrgut an Bord. Was bei der Tunnelkette möglicherweise schief gelaufen sei, müsse beim Bau neuer Tunnel besser gemacht werden, forderte Hoffmann. Für Bauwerke wie dem Jagdbergtunnel und die Autobahn-Abdeckung bei Jena- Lobeda an der Autobahn 4 oder den Schmücketunnel an der A 71 nördlich von Erfurt müsse von vorneherein klar sein, dass Gefahrgut-Transporte Durchfahrt erhalten. „Da besteht schon bei der Planung dringender Handlungsbedarf.“ Der Thüringen Verkehrsgewerbe-Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 500 Mitgliedsfirmen im Freistaat. Dazu zählten große Speditionen ebenso wie kleine Taxi-Unternehmen mit zusammen geschätzten 2500 bis 4000 Arbeitsplätzen. Insgesamt zählt das Thüringer Verkehrsgewerbe knapp 2600 Firmen im Güter- und rund 1000 im Personenverkehr. Daran hängen rund 30 000 Arbeitsplätze. (dpa)

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