Schwertransport

2800 Schwertransporte hat die sächsische Polizei 2018 begleitet, in Thüringen waren es rund 1800

©Picture Alliance/dpa/Daniel Karmann

Schwertransporte werden selten mit privaten Speditionen begleitet

Wenn Schwerlasttransporte unterwegs sind, signalisiert das Blaulicht der Polizei größte Vorsicht. Die Absicherung dieser Transporte könnte zwar auch von Mitarbeitern privater Unternehmen übernommen werden, wird es aber im Osten meist nicht.

Erfurt/Dresden. Schwertransporte auf Sachsens Straßen werden in der Regel von Polizeibeamten eskortiert. Von der Möglichkeit, diese durch private Unternehmen begleiten zu lassen, wurde laut Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Sachsen noch nie Gebrauch gemacht. In Thüringen übernahmen Speditionen immerhin bei rund 200 Transporten als „Verwaltungshelfer“ die Begleitung.

Wie das sächsische Innenministerium auf dpa-Anfrage mitteilte, ist die Zahl der Schwertransporte, die von der Polizei begleitet wurden, von gut 3200 im Jahr 2016 auf etwa 2800 im vergangenen Jahr zurückgegangen. In Thüringen hat die Polizei nach eigenen Angaben 2018 rund 1800 Schwerlasttransporte begleitet.

Verfahren mit Verwaltungshelfern kompliziert

Nach Angaben des sächsischen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr gibt es auch die Möglichkeit, die Transporte von „Verwaltungshelfern“ mit speziellen Wagen, sogenannten BF4-Fahrzeugen, begleiten zu lassen. Aber: „Das Verfahren ist kompliziert. Die Verwaltungshelfer, in der Regel speziell eingewiesene Mitarbeiter der Transportfirmen, haben keinen Ermessensspielraum. Sie müssen sich genau an die vorher erarbeitet verkehrsrechtliche Anordnung halten“, sagte der Sprecher des Landesamtes, Franz Grossmann. Das Verfahren sei nur für bestimmte Strecken vorgesehen. „Es ist in Sachsen bisher nicht angewendet worden.“

Umständliche Bürokratie als Hindernis

Die Idee mit den Verwaltungshelfern sei zwar gut, doch sie sei „grottenschlecht umgesetzt“ worden, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesfachgruppe Schwertransporte und Kranarbeiten, Wolfgang Draaf, in Frankfurt. „Die eigentlich zuständigen Straßenverkehrsbehörden sind damit überfordert.“ Die Genehmigungen dauerten zu lange und enthielten viele Vorgaben, weil die Beamten die Strecke selbst gar nicht kennen.

Deshalb unterstütze die Bundesfachgruppe das „Beleihungsmodell“, das derzeit im Gespräch sei. Bei diesem würden Mitarbeiter von Transportunternehmen speziell geschult. Diese könnten dann bei der Begleitung von Transporten künftig auch Anordnungen treffen - fast so wie Polizisten.

Begleitung durch Transportunternehmen trotzdem sinnvoll

Der Spediteur Thomas Fischer aus Neustadt/Orla in Thüringen geht davon aus, mehr Begleitung von Schwertransporten durch private Transportunternehmen statt von der Polizei zu steigenden Kosten führen könnte. Mit seinem Unternehmen wurden die ersten Testfahrten auf der ersten freigegebenen Strecke in Thüringen unternommen. Er halte den Schritt jedoch trotzdem für sinnvoll, so Fischer: „Die Polizei hat eigentlich wichtigere Aufgaben als die Begleitung von Transporten“. Dem Landesverwaltungsamt zufolge wurden im vergangenen Jahr in Thüringen rund 58.000 Großraum- und Schwerlasttransporte bewilligt.

Aktuell dürfen in Thüringen privat begleitete Transporte abseits der Autobahn 9 auf einer Strecke zwischen Krölpa und der Anschlussstelle Triptis unterwegs sein. Nach und nach sollen immer mehr solcher Strecken ausgewiesen werden, sagte Adalbert Alexy, Sprecher des Landesverwaltungsamtes. So sei auf einer Strecke vom Gewerbegebiet Arnstadt zum A 71 ein Testlauf geplant, danach folgten weitere. (dpa/sn)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special SCHWERTRANSPORTE & KRANDIENSTE.

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