Lkw, Frankreich

In Paris würde über die Schwächen der französischen Logistikketten diskutiert (Symbolfoto)

©Johan Ben Azzouz/MAXPPP/picture-alliance

Schwächen der französischen Logistikketten

Die französische Logistikbranche will im internationalen Wettbewerb aufholen und stellte dazu eine Analyse der eigenen Schwächen an den Anfang der Diskussion.

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Paris. „Wo liegen im europäischen Vergleich unsere Schwächen?“ Darüber debattierten Ende Juni führende Vertreter des französischen Logistikgewerbes in Paris. Grundlage war ein von der Regierung in Auftrag gegebener Bericht über die Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Die Hauptergebnisse wurden bei der Jahreshauptversammlung der Verbände Union TLF und TLF Overseas vorgestellt.

Nach den jüngsten Angaben der Weltbank lägen die Franzosen zwar unverändert auf dem 16. Platz in der internationalen Rangfolge, seien aber seit 2012 um vier Plätze nach unten abgerutscht, berichtete Eric Hémar, Chef der Gruppe ID Logistics und Vorstand von TLF. Anstelle der aktuellen Politik, bei der die Transport-Infrastruktur im Vordergrund stünde, plädierte Hémar dafür, die einzelnen Elemente im Bereich von Containerimporten aus China bis zur Auslieferung über Frankreich, Holland und Deutschland zu analysieren.

Im maritimen Transport könne man auf den Linien zwischen China, Rotterdam, Antwerpen und Hamburg oder le Havre keine Preisunterschiede feststellen, wohl aber eine anhaltende Beunruhigung seitens der Verlader hinsichtlich der Verlässlichkeit der französischen Häfen. Hier zeige sich eine erste Preisdifferenz bezüglich der Anlandungen zu den Häfen und die Weiterbeförderung von dort. Hémer verwies auf die Beispiele Deutschland und Holland und berichtete, dass in diesen beiden EU-Ländern „50 Prozent (der Transportmenge, Hinweis der Redaktion) über Flüsse oder Bahn“ abgewickelt würden, in Frankreich seien das in Marseille und Le Havre, „nur 12 bis 13 Prozent“. Damit wurde die unvergleichlich hohe Dominanz der Straße angesprochen.

Bündelung des Transports auf klar definierten Achsen

Patrick Daher, Chef des gleichnamigen Transportunternehmens mit Schwerpunkt in den Bereichen Luftfahrt- und Industriebedarf, machte sich deshalb stark dafür, die Bündelung des Transportaufkommens auf „klar definierte Achsen“ zu konzentrieren. Alternativlösungen  hätten zudem den Vorteil, wirtschaftlicher und umweltfreundlicher zu sein.

Bei den Inlandskosten profitiere Frankreich zwar von niedrigeren Lagermieten, aber dieser Vorteil werde insbesondere durch die Grundsteuern wieder aufgehoben. Und bei der finalen Zustellung von Sendungen lägen die Kosten wegen der Sozialabgaben im Bereich der Fahrerlöhne um 10 bis 15 Prozent über denen im EU-Vergleich.

Hémer und Daher forderten deshalb Paris auf, umgehend auf die „Entwicklung der internationalen Supply-Chains zu reagieren. Sie verwiesen auf die „neue Seidenstraßen, die Seepassage über den Nordatlantik oder die immer größeren Container-Schiffe. Beide plädierten schließlich auch dafür, nach dem Vorbild von Interessevereinigungen wie der Comité France Maritime oder France Industrie eine gleichartige Interessenvertretung für den Logistiksektor mit halbstaatlicher und halbprivater Beteiligung zu schaffen. (jb)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special SEEFRACHT & HÄFEN.

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