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Schieneninfrastruktur, Allianz pro Schiene, Investitionen

Andere Länder sind weiter: 56 Prozent der staatlichen Infrastrukturmaßnahmen fließen hierzulande in die Straße, nur 44 Prozent in die Schiene

©Allianz pro Schiene

Schiene: Deutschland kommt nicht voran beim Ausbau

Noch immer werde deutlich mehr Geld in die Straße investiert als ins Schienennetz, kritisiert die Allianz pro Schiene. Doch in diesem Jahr könnte der Knoten platzen.

Berlin. Aus Sicht des Interessenverbands Allianz pro Schiene gibt der Bund nach wie vor deutlich zu wenig Geld für den Ausbau der Schieneninfrastruktur aus. Bei rund 76 Euro je Einwohner hätten die Investitionen in das eigene Schienennetz gelegen, berichtete der Verband am Donnerstag. Das war ein Euro weniger als noch im Jahr davor. "Es ist seit Jahren die Rede von einem Investitionshochlauf in die Infrastruktur", sagte Hauptgeschäftsführer Dirk Flege. "Die Budgets halten jedoch seit Jahren nicht Schritt mit diesen Ankündigungen." Ändern könnte sich das aus seiner Sicht in diesem Jahr. In den Nachtragshaushalten, die der Bund aufgrund der Coronakrise auflegen musste, seien Investitionssteigerungen von rund 40 Prozent für die Bundesschienenwege vorgesehen. Zudem mache der geplante sogenannte Deutschlandtakt deutlich höhere Ausgaben notwendig. "Das ist zwar noch eine Planzahl, aber ich sage trotzdem, der Knoten platzt", sagte Flege.

Flege: Nachholbedarf ist "gigiantisch"

Der Nachholbedarf sei beim völlig überlasteten Schienennetz "gigantisch". Flege beziffert den Investitionsstau auf mehr als 50 Milliarden Euro allein beim Erhalt des bestehenden Schienennetzes. Im Gegensatz zu den Nachbarländern komme Deutschland seit Jahren nicht voran. Fast 56 Prozent der staatlichen Infrastrukturmaßnahmen fließe hierzulande in die Straße, lediglich rund 44 Prozent in die Schiene. Andere Länder seien hier deutlich weiter. Luxemburg stecke inzwischen nahezu zwei Drittel der für die Infrastruktur vorgesehenen Mittel ins Schienennetz.

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Deutschland hinkt anderen Ländern hinterher

Auch bei den Pro-Kopf-Investitionen in Höhe von 76 Euro sei Deutschland weit abgeschlagen. Selbst Länder mit vergleichbarer Topografie und ähnlichen Voraussetzungen gäben mehr Geld pro Kopf aus. In Italien etwa lagen demnach die Investitionen bei 93 Euro pro Einwohner im vergangenen Jahr. In Holland waren es 133 Euro. In der Schweiz wurde 2019 sogar mehr als 400 Euro pro Kopf in die Schiene investiert. Das liege aber an der bergigen Topografie, die viele Tunnelbauten notwendig mache und die Ausgaben in die Höhe treibe. "Alles, was jenseits von Österreich und der Schweiz liegt, ist mit Deutschland aber durchaus vergleichbar", betonte Flege. (dpa)

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