Hermes

Mehrere Hermes-Standorte wurden am Donnerstag von Polizei und Zoll durchsucht

©Horst Galuschka/dpa/picture-alliance

Razzia an mehreren Hermes-Standorten

Hermes steht erneut im Fokus der Behörden: Mehrere Standorte des KEP-Dienstleisters wurden am Donnerstag wegen des Verdachts auf bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern durchsucht.

Harrislee. Ermittler der Bundespolizei haben am Donnerstag Büroräume eines Transportunternehmens in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen durchsucht. Im Visier der Ermittler steht nach Medienberichten ein Servicepartner des Paketzustellers Hermes. „Gegen fünf Hauptbeschuldigte wird wegen gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern ermittelt“, sagte ein Bundespolizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Der Paket-Zusteller steht im Verdacht, Osteuropäer mit falschen Papieren ausgestattet und illegal beschäftigt zu haben.

Nach Angaben der Bundespolizei gab es Durchsuchungen an neun Standorten in Schleswig-Holstein sowie an jeweils einem Ort in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Grundlage für die Aktion seien monatelange Ermittlungen nach entsprechenden Hinweisen, sagte der Sprecher. In Harrislee, wo die Polizei nach Angaben der „Kieler Nachrichten“ das Zentrum des Schleusernetzwerks vermutet, überprüften Bundespolizisten die Identitäten von mehr als 20 Fahrern. Insgesamt kamen laut der Zeitung bei den Razzien 280 Beamte von Polizei und Zoll zum Einsatz. Festnahmen gab es bei den Razzien zunächst nicht. In erster Linie sei es der Polizei um die Sicherung weiterer Beweismittel gegangen, so die „Kieler Nachrichten“. Neben diversen Geschäftsunterlagen, Mobiltelefonen und Computern gehörten dazu auch gefälschte Ausweise, rund 30 000 Euro Bargeld sowie in Neumünster eine schussbereite Handfeuerwaffe und eine Schreckschusswaffe.

Die aus Aserbaidschan und Rumänien stammenden mutmaßlichen Haupttäter stehen im Verdacht, überwiegend moldauische Staatsangehörige, welche mit ge- oder verfälschen EU-Dokumenten ausgestattet wurden, die Einreise, den Aufenthalt und die (illegale) Arbeitsaufnahme als Fahrer eines Paketzustellers ermöglicht zu haben. Bereits im November 2017 wurde gegen Subunternehmer von Hermes wegen des Verdachts des Einschleusens von Ausländern, der Urkundenfälschung und von Mindestlohn-Verstößen ermittelt. Der Paketdienstleister hatte daraufhin angekündigt, seine Subunternehmer schärfer zu kontrollieren. Das Unternehmen unterstütze den Aufklärungsprozess im aktuellen Fall in enger Kooperation mit den zuständigen Behörden vollumfänglich, sagte ein Sprecher.(dpa/jt)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special KEP – KURIER-, EXPRESS-, PAKETDIENSTE.

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KEP – Kurier-, Express-, Paketdienste, Kriminalität und Sicherheit in Transport & Logistik, Hermes

  • 11.06.2018

    Manne

    ...überwiegend moldauische Staatsangehörige...
    Totaler Blödsinn: Moldawische Staatsangehörige bekommen in Grichenland ganz legal einen EU-Führerschein. Dieser Führerschein ist als EU-Führerschein in Grichenland gültig. Durch eine Schlüsselzahl, die besagt dass der ursprüngliche Führerschein in Moldawien erworben wurde, ist der Füherschein in Deutschland aber nicht gültig. Das konnten die Subunternehmer von Hermes aber nicht wissen. Denn eigentlich sind die EU-Führerscheine in der ganzen EU gültig. Und das war das einzige Vergehen der Subunternehmer bei Hermes.
    Außerdem fahren diese Moldawier immer noch bei Hermes, kann also nicht so schlimm gewesen sein?

  • 11.06.2018

    Camion Pro

    Camion Pro warnt seit seiner Undercoverrecherche 2016 vor hoch kriminellen Strukturen in der Transportbranche in Mittel- und Osteuropa. Offenbar haben diese Tätergruppen auch verstärkt die Transportbranche in Deutschland im Visier. Ende 2017 gelang es Camion Pro zusammen mit dem WDR, Menschenhändler-ähnliche Strukturen bei Hermes aufzudecken. 300 Polizeibeamte durchsuchten damals über 20 Objekte und nahmen zahlreiche Personen fest. Die Täter waren als „Subunternehmer“ für den Paketdienst tätig. Der ermittelnde Staatsanwalt sprach schon damals davon, „dass es sich hierbei nur um die Spitze des Eisbergs handle“.

    Ob und in welcher Verbindung die aktuelle Polizeiaktion mit den Enthüllungen von Camion Pro von 2017 stehen, ist derzeit noch unklar.

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