Truck-Grand-Prix 2018

Rund 125.000 Besucher werden am Wochenende beim Truck-Grand-Prix auf der Eifelrennstrecke erwartet

©Thomas Frey/dpa/picture-alliance

PS-Monster und Country-Töne beim 33. Truck-Grand-Prix

Der Nürburgring gehört in diesen Tagen den Renntrucks: Hochgezüchtete Lastwagen rasen mit bis zu 160 Kilometer pro Stunde über den Asphalt. Cowboy-Hüte und Country-Musik bilden den Rahmen.

Nürburg. 5,3 Tonnen Gewicht, fast 1100 PS und in rund fünf Sekunden auf 160 Kilometer pro Stunde: Die Fahrt mit dem vierfachen Truck-Race-Europameister Jochen Hahn ist ein Höllenritt. In jeder Kurve auf der verkürzten Grand-Prix-Strecke am Nürburgring in der Eifel scheint es, als ob seine hochgezüchtete Zugmaschine umkippen würde – doch Hahn kriegt stets die Kurve. Immer wieder beschleunigt der 44-Jährige aus Altensteig im Schwarzwald unbändig, vor jeder neuen Kurve bremst er hammerhart, oft verlassen zwei äußere Räder das Asphaltband.

Lkw als Rennwagen: Bis zum Sonntag quietschen am legendären Nürburgring beim 33. Internationalen ADAC Truck-Grand-Prix die Reifen. Qualm steigt auf, Dieselgeruch verbreitet sich, Motoren dröhnen. Rund 115 000 Besucher werden bei dem viertägigen Spektakel erwartet, sagt der Sprecher des ADAC Mittelrhein, Reinhard Moll. „Vielleicht werden es bei dem schönen Wetter auch noch mehr.“

100 Unternehmen stellen am Ring aus

Neben dem 24-Stunden-Rennen, dem DTM-Wochenende und dem Musikspektakel „Rock am Ring“ zählt der Truck-Grand-Prix zu den beliebtesten Veranstaltungen am weltbekannten Nürburgring. Die Atmosphäre ist familiär, alles dreht sich um rasante Lastwagen. Zum Auftakt am Donnerstag können Besucher bei den Profis auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, mit Helmen in feuerfesten Overalls in Überrollkäfigen aus armdicken Stahlrohren. Wären die PS-Monster nicht elektronisch bei 160 Kilometer pro Stunde abgeriegelt, könnten sie weit über 200 km/h erreichen.

Die Live-Musik ist branchentypisch: Bei einem der größten Country-Festivals Europas treten unter anderem alte Szenegrößen wie Truck Stop und Tom Astor auf. Viele Besucher tragen Coyboy-Hüte. Moll erklärt: „Gleichzeitig ist das hier die zweitgrößte Nutzfahrmesse in Deutschland nach der IAA in Hannover.“ Rund 100 Unternehmen stellen am Ring aus. Mancher Vorstandschef läuft im T-Shirt herum. 

Derweil rasen die Race Trucks weiter über das Asphaltband, Runde um Runde. Udo Strauß aus dem brandenburgischen Luckenwalde folgt den PS-Monstern mit den Augen: „Wir kommen schon seit 1993 mit nur zwei Ausnahmen jedes Jahr hierher. Hier kannst du ins Fahrerlager gehen, zuschauen und mit den Fahrern sprechen. Das ist bei der Formel 1 nicht so.“ Strauß und sein Kumpel Herold Glomwitza tragen eine Kappe mit einem Elchgeweih. Strauß, Chef eines kleinen Kurierdienstes, ergänzt: „Wir treffen hier jedes Jahr dieselben Leute.“ Glomwitza, Ex-Mitarbeiter einer Autowerkstatt, sagt: „Wir halten uns auch gegenseitig die Plätze auf dem Campingplatz frei.“

Viele Besucher kommen mit dem Lkw

Viele Besucher reisen im Lastwagen an. Oft sind es Berufskraftfahrer mit ihren Familien und Speditionen mit ihren Mitarbeitern. ADAC-Sprecher Moll sagt: „1200 Lkw stehen in den Camps. Die Plätze waren schon im Januar in wenigen Stunden ausgebucht.“ Manche Besucher haben sich komplette Wohnungen in ihren Lastwagen eingerichtet.

Vier der Truck-Rennen an diesem Wochenende am Ring sind Bestandteil der FIA Europameisterschaft von Tschechien bis Spanien. Jochen Hahn, Europameister 2011, 2012, 2013 und 2016, träumt 2018 vom fünften Titel. Er habe realistische Chancen, sagt er neben seinem weit mehr als 200 000 Euro teuren Truck. „Aber die Konkurrenz ist auch knüppelhart.“ (dpa/ag)

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