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e-Crafter

Wir konnten den E-Crafter schon einmal Probe fahren

©Henning Scheffen/VW

Probefahrt: Sauber, City, Crafter

VW Nutzfahrzeuge sieht sich für Fahrverbote in Großstädten gut gerüstet. Ab Dezember 2017 gehen die ersten e-Crafter in den Praxistest. Ab Mitte, Ende 2018 ist die Verfügbarkeit für alle Kunden geplant. Wir haben uns den stromernden City-Transporter angesehen.

Wolfsburg. „Für die Langstrecke wird der Dieselmotor das Non-Plus-Ultra bleiben. In der Stadt geht kein Weg mehr an der E-Mobilität vorbei“, ist sich Eckhard Scholz, Vorstandvorsitzender von VW Nutzfahrzeuge sicher.

Interpretiert man das zuletzt in Stuttgart gefällte Urteil entsprechend, unterstreicht das Scholz‘ Aussage. Als Mann mit Verantwortung und Weitblick hat er die passende Antwort in petto und präsentiert einer kleinen Journalistengruppe VWs jüngstes Transportkind: den E-Crafter.

Für den Last-Mile-Betrieb gemacht

Ehe Scholz und seine Mannen an die Konzeption gingen, betrieben sie umfangreiche Marktforschung. Das Ergebnis in der Essenz: 55 Prozent aller Nutzer sind im Mittelstreckenbereich, der so genannten Last-Mile-Zustellung unterwegs.

Das heißt, Reichweiten um 100 Kilometer, 85 Prozent Stadtbetrieb, ein Bedarf an rund 900 Kilogramm Nutzlast und etwa 40 Stopps. Kein Wunder, dass der E-Crafter auf dieses bei 1500 Unternehmen ermittelte Profil passt, wie die Faust aufs Auge.

Ausreichend Laderaum trotz Batterien

In der Normalversion als 3,5-Tonner schafft er eine Tonne Nutzlast, als 4,25-Tonner entsprechend 1750 Kilo. Er ist 500 Kilo schwerer als ein Diesel-Pendant, wobei 350 Kilo zu Lasten der 35,8 kW/h-LiIon-Zellen gehen, weitere 150 Kilo auf Schutzmaßnahmen um das Batterie-Pack.

Der E-Crafter basiert trotz E-Frontmotor auf der Heckantriebsplattform. Das Schafft Platz für die Akkus, ohne dass der 10,7 Kubikmeter große Laderaum eingeschränkt wird. Vorerst gibt es den Normalradstand, mit dem der E-Crafter City-taugliche 13,6 Meter Wendekreis schafft.

Fahrverhalten wie im Pkw

Den permanent erregten Synchronmotor übernimmt VW vom E-Golf. Das Getriebe wurde an die höheren Anforderungen angepasst und mittels eines Planetensatzes zweistufig ausgeführt. Der mit 50 Kilowatt Dauer- und 100 Kilowatt Kurzleistung ausgestattete Antrieb hat gegenüber einer Asynchronmaschine rund drei Prozent mehr Wirkungsgrad und beschleunigt dank 290 Newtonmeter maximalem Drehmoment das mit 1000 Kilo beladenen Testfahrzeug äußert flott.

Das Fahrverhalten ist wie vom hoch gelobten Diesel-Crafter bekannt, hervorragend und verdient sich das Prädikat: Wie im Pkw. Auch mit e-Antrieb kann der Kunde alle von Standard-Crafter bekannten Ausstattungsdetails bestellen.

Acht Jahre Garantie auf die Batterien

Die Akkus halten laut VW 1500 Ladezyklen, mit Tendenz zu 2000 und würden nach zehn Jahren nur rund 10 bis 15 Prozent ihrer Kapazität verlieren – weshalb man auch acht Jahre Garantie gibt. Am Schnellader mit 40 kW ist der Akkusatz nach 45 Minuten zu 80 Prozent geladen, am Haushaltsnetz dauert es 17 Stunden bis 100 Prozent erreicht sind. Falls einzelne Akkus kaputt gehen sollten, offeriert VW einen partiellen Tausch in 6er- oder 12er-Modulen.

Den Verbrauch gibt der Hersteller mit 20 kW/h pro 100 km an, was deutlich günstiger ist als beim Diesel. Zum Preis möchte sich VW aktuell noch nicht äußern. Allerdings ist man bestrebt, dass die TCO am Ende des Einsatzzyklus nicht höher ausfallen werden, als beim Diesel-Crafter.

Trotz der deutlich reduzierten Bauteile liegen die Wartungsintervalle auf dem Niveau der Verbrenner-Varianten. Ob VW damit sein flächendeckendes Werkstattnetzt auch weiterhin auslasten will oder ob es der mangelnden Erfahrung im Hinblick auf Themen wie Akkupflege geschuldet ist, bleibt zunächst offen. (gg)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special KEP – KURIER-, EXPRESS-, PAKETDIENSTE.

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