LKW Straßengütertransport

Brandbriefe aus dem Norden: In Dänemark, Schweden und Norwegn wird Kabotage zum Problem

©VR/Sebastian Bollig

Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage

Transportverbände aus Dänemark, Schweden und Norwegen drängen auf Aussetzung der Kabotageregelungen für mindestens sechs Monate

Brüssel. Transportunternehmen aus Dänemark, Schweden und Norwegen haben ihre jeweiligen Regierungen dazu aufgefordert, bei der EU-Kommission um eine Aussetzung der Kabotage-Regeln für mindestens sechs Monate zu bitten. Grund für die Forderung der in der Nordic Logistics Association zusammengeschlossenen Verbände sind die aus ihrer Sicht negativen Auswirkungen der seit knapp zwei Jahren geltenden neuen Kabotage-Regeln auf die jeweiligen nationalen Märkte. Diese würden durch die neuen Regeln geschädigt.

Anzeichen dafür seien zum Beispiel die rückläufige Zahl der national registrierten Fahrzeuge und großer Preisdruck, den es bis vor zwei Jahren in dieser Art nicht gegeben habe.

In einem Schreiben an EU-Verkehrskommissar Siim Kallas weisen die Mitglieder der Nordic Logistics Association darauf hin, dass ihre nationalen Behörden die Zahl der Fahrten von ausländischen LKW, die sich im Rahmen der Kabotage-Regeln im Land aufhielten, nicht begrenzen würden. Die ausländischen Unternehmen würden dies ausnützen, so dass aus der Kabotage in Wirklichkeit eine dauerhafte Anbietung von Dienstleistungen werde. Dabei falle stark ins Gewicht, dass die Fremdunternehmen ihren Angestellten Gehälter zahlten, die lediglich zehn bis 25 Prozent der national festgelegten Vergütungen ausmachen.

Laut Artikel 10 der EU-Verordnung 1072/2009, in der die derzeit gültigen Kabotageregeln festgelegt sind, haben nationale Regierungen die Möglichkeit, bei der EU-Kommission die Aussetzung der Kabotageregeln für sechs Monate zu beantragen, wenn der nationale Markt nachweislich durch die Kabotage gestört werde. Diese Zeit kann um maximal sechs weitere Monate verlängert werden.

Die Mitglieder der Nordic Logistics Association, die nach eigenen Angaben rund 14.000 Unternehmen in den drei Ländern vertreten, sehen diese starken Marktstörungen erreicht. Die Regierungen von Dänemark, Schweden und Norwegen haben allerdings bislang noch keinen Antrag auf Aussetzung der Kabotage gestellt. (kw) 

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special TRANSPORT-, SPEDITIONS- & LOGISTIKRECHT.

1000px 588px

Transport-, Speditions- & Logistikrecht

  • 21.05.2012

    Glastaxi

    Die dänischen Spediteure dürfen sich jetzt nicht aufregen, denen konnte es doch nicht wild und billig genug zugehen. Alle großen dänischen Spediteure haben doch vor Jahren in Richtung Flensburg ausgeflaggt und dann ging es immer weiter. Und wenn die Aussetzung der Kabotage-Regel kommt, dann werden die großen dänischen Spediteure, DSV, Frode Laursen, BlueWater und Co da schon einen Rat wissen.

  • 19.05.2012

    Jürgen Auth

    Es müsste folgende Bestimmung bei Kabotage eingeführt werden: Den Fahrern aus den Billiglohnländern muss während ihres Aufenthaltes in den Hochlohnländern der dort übliche Lohn gezahlt werden. Dann sähe zum einen die Marktlage ganz anders aus. Außerdem könnten sich diese Fahrer dann auch die Waren aus den hiesigen Läden mit den hiesigen Preisen kaufen, anstatt menschenunwürdig auf Autobahnparkplätzen zu vegetieren und sich noch nicht einmal die Toilettengebühr leisten zu können.

  • 17.05.2012

    hans-ulrich Höfler

    Als Betroffener kann ich dem nur beipflichten. Wer die Augen im Transportverkehr weit genug öfnnet, kann zu keinem anderen Ergebnis kommen als zu dem, wie es die skandinavischen Kollegen vorantreiben. Wir sollten dies für den Güterverkehr in Deutschland/Österreich/Benelux ebenfalls organisieren.


WEITERLESEN: