Fehmarnbelt-Tunnel

Ein zentraler Punkt des HTC-Gutachtens zur Fehmarnbeltquerung ist die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft (Symbolfoto)

©Daniel Bockwoldt/dpa/picture-alliance

NABU stellt Gutachten zur Fehmarnbeltquerung vor

Ein vom NABU in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass für die Fehmarnbeltquerung in der aktuell geplanten Form kein Bedarf bestehe.

Berlin/Hamburg. Für den geplanten Ostseetunnel gebe es keinen Bedarf, lautet das Ergebnis eines Verkehrsgutachtens des Verkehrsberatungsbüros Hanseatic Transport Consultancy (HTC), das am Donnerstag, 11. Juli, in Hamburg vorgestellt wurde. Der NABU hatte das Gutachten im Zuge seiner Klagebegründung zur Fehmarnbeltquerung in Auftrag gegeben. Das Fazit der HTC-Studie „Bedarfsbezogene Verkehrsmarktuntersuchungen im Kontext der geplanten festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ)“ falle „vernichtend aus“, urteilte der NABU.

Ein tatsächlicher Bedarf für ein Vorhaben dieser Größenordnung werde mit Blick auf die Kosten sowie die erheblichen negativen ökologischen Einflüsse auf den Fehmarnbelt von den Gutachtern ausdrücklich verneint. Die Gutachter kämen zu dem Ergebnis, dass es auf der Strecke keine wesentlichen Engpässe gibt und auch für die Zukunft keine in Sicht sind. Das Urteil komme einem „Todesstoß für die feste Fehmarnbeltquerung“ gleich und dürfe heute, da Klimafragen und neue Mobilitätsformen immer wichtiger werden, auf keinen Fall gebaut werden, sagte Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer.

Folgen der Digitalisierung berücksichtigt

Ein zentraler Punkt des Gutachtens ist die zunehmende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Die zu erwartenden fundamentalen Veränderungen für Transport, Verkehr und Logistik, etwa mit Blick auf zukünftige Produktions- und Absatzregionen, die Struktur und das Gesamtvolumen der beförderten Güter, seien nie durch aktualisierte Verkehrsprognosen abgebildet worden, obwohl das zeitlich möglich und inhaltlich seit geraumer Zeit nötig gewesen wäre.

Nach Auffassung des NABU zeige das Gutachten, dass „weder für die Straße noch für die Schiene ein tatsächlicher Bedarf besteht“. Deswegen erwarte der NABU eine „Anpassung der geplanten Fehmarnbeltquerung an die Realität“. Wolle man zudem das eigentliche Verkehrsziel der Europäischen Union, den Straßengüterverkehr auf die Schiene zu verlagern, ernsthaft erreichen, müsse der Bahngüterverkehr gestärkt werden. So würde ein reiner Eisenbahntunnel in der gebohrten Variante den Bahngüterverkehr stärken und deutlich weniger ökologischen Schaden anrichten. Die aktuelle Dimension des Vorhabens sei „völlig unangemessen“. (tb)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special LKW-LANDVERKEHR & STÜCKGUT.

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