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Mercedes Vito: Beliebter Kleintransporter von Abgasskandal betroffen

Der Mercedes Vito ist ein bei Dienstleistern begehrter Transporter. Allerdings enthält das Modell illegale Abschalteinrichtungen und ist damit vom Abgasskandal betroffen. Fuhrparkbetreiber können gegen Daimler klagen und eine Entschädigung erhalten.

Mit seinem Ladevolumen von 6,6 Kubikmetern und Platz für bis zu drei Euro-Paletten ist der Mercedes-Benz Vito ein beliebter Kleintransporter für Lieferanten, Servicedienstleister und Handwerker. Das praktische Nutzfahrzeug des Stuttgarter Autobauers Daimler ist jedoch in den Abgasskandal verstrickt. Der Grund: Wie diverse andere Mercedes-Modelle auch, enthält der Vito illegale Abschalteinrichtungen. Diese Einrichtungen in der Motorsteuerung der Vito-Dieselfahrzeuge bewirken, dass die Kastenwagen im Straßenverkehr weit mehr giftige Abgase ausstoßen als gesetzlich erlaubt. Daher ordnete das zuständige Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bereits mehrere Rückrufe für den Vito an. Folgende Ausführungen des Mercedes-Benz Vito sind von den amtlichen Rückrufaktionen betroffen:

• Mercedes Vito mit dem Motor OM 622, Abgasnorm Euro 6b, Baujahre 2015 bis 2018
• Mercedes Vito mit dem Motor OM 651, Abgasnorm Euro 6b, Baujahre 2014 bis 2018
• Mercedes Vito mit dem Motor OM 651, Abgasnorm Euro 5, Baujahre 2010 bis 2014
• Mercedes Vito Tourer mit dem Motor OM 622, Abgasnorm Euro 6b, Baujahre 2015 bis 2018
• Mercedes Vito Tourer mit dem Motor OM 651, Abgasnorm Euro 6b, Baujahre 2014 bis 2018

Verpflichtende Rückrufe für knapp 150.000 Mercedes Vito-Transporter

Begonnen hatte der Abgasskandal um den Vito bereits im Mai 2018, als das KBA erstmals rund 6.000 Mercedes Vito verpflichtend zurückrufen ließ. Dabei handelte es sich um die Modelle Vito und Vito Tourer mit dem 1,6 Liter-Dieselmotor OM 622 der Abgasnorm Euro 6b. Die Fahrzeuge mussten in die Werkstätten zu einem Softwareupdate gebracht werden.

Nur kurze Zeit später musste Mercedes gleich 40.000 Vito und Vito Tourer zurückrufen. Dieses Mal traf es Fahrzeuge mit dem Daimler-Motor OM 651 der Euronorm Euro 6b. Der bisher letzte Vito-Rückruf stammt von Oktober 2019. Hier müssen nun rund 100.000 Dieselfahrzeuge der Modelle Vito, Viano und Sprinter in die Werkstatt beordert werden. Das KBA hatte auch in den etwas älteren Modellen mit dem Motor OM 651 der Abgasnorm Euro 5 unzulässige Abschalteinrichtungen zur Abgasmanipulation entdeckt.

Abschalteinrichtungen im Vito mit Dieselmotor gefunden

In den neuen Vito-Modellen mit dem Daimler-Motor OM 622 fand das Kraftfahrt-Bundesamt eine temperaturabhängige Steuerung der Abgasrückführung – kurz Thermofenster. Dabei werden die Abgase, die im Motor entstehen nur innerhalb eines Temperaturfensters von ungefähr 20 bis 30 Grad in ausreichendem Maße gereinigt. Außerhalb dieser Spanne – und damit die meiste Zeit des Jahres in Mitteleuropa – wird die Abgasreinigung gedrosselt, sodass die gesetzlichen Grenzwerte für gesundheits- und umweltschädliche Stickoxide überschritten werden. Diese Form der Abschalteinrichtung hat der Europäische Gerichtshof erst im Dezember 2020 für illegal erklärt, wenn sie sich bei normaler Nutzung des Autos im Straßenverkehr negativ auf die Abgasreinigung auswirkt.

Im Vierzylinder-Dieselmotor OM 651 stellte das KBA gleich mehrere illegale Abschalteinrichtungen fest. Neben dem Thermofenster steckt in diesem Mercedes-Motor des Vito auch eine sogenannte Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung. Diese Abschalteinrichtung senkt nur im Testbetrieb auf dem Prüfstand die Abgas-Verbrennungstemperatur im Motor und damit auch den Emissionsausstoß. Erkennt eine intelligente Software, dass sich der Vito im Normalbetrieb befindet, wird die Temperatur nicht gedrosselt und der Kastenwagen überschreitet die gesetzlichen Grenzwerte für Stickoxide. Zudem wird bei Fahrten auf der Straße nicht genügend AdBlue eingespritzt. Der Harnstoff soll eigentlich die Abgase des Mercedes Vito unschädlicher machen. Diese Abgasreinigung führt der Motor aber dank Prüfstandserkennung nur im Testmodus bei den Zulassungsbehörden durch.

Softwareupdate kann Folgen für Verbrauch und Leistung haben

Im Zuge der verpflichtenden Rückrufe des KBA lässt die Daimler AG ein Softwareupdate auf die Motorsteuerung der betroffenen Mercedes Vito-Transporter aufspielen. Das Update soll die Abschalteinrichtungen im Motor deaktivieren. Dieselfahrer berichten allerdings von einem erhöhten Kraftstoffverbrauch und einer geminderten Motorleistung, nachdem das Softwareupdate von einer Vertragswerkstatt installiert wurde. Weigern sich Vito-Halter allerdings, das Update durchführen zu lassen, droht der Verlust der Umweltplakette oder sogar die Stilllegung des Fahrzeugs. Besitzer der betroffenen Dieselfahrzeuge sind gut beraten, wenn sie nun anwaltlich prüfen lassen, ob eine Klage gegen den Hersteller und die Rückgabe des Vito nach Zahlung eines Schadensersatzes ein lukrativer Ausweg aus dem Mercedes-Abgasskandal ist.

Der Europäische Gerichtshof, der Bundesgerichtshof sowie Oberlandesgerichte und diverse Landgerichte in Deutschland haben bereits entschieden, dass Abschalteinrichtungen wie das Thermofenster unzulässig sind. Halter von Dieselfahrzeugen haben daher einen Anspruch auf Schadensersatz. Dieser setzt sich aus dem Kaufpreis für das Fahrzeug abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die bereits gefahrenen Kilometer zusammen. Fuhrparkbetreiber und Unternehmer, die einen Mercedes Vito als Dienstfahrzeug nutzen, können mit einer Klage ihren Anspruch auf eine Entschädigung im Abgasskandal geltend machen. Spezialisierte Anwälte können Vito-Besitzer und Unternehmer mit einem ganzen Fuhrpark im Dieselskandal beraten und bei einer Klage gegen die Daimler AG unterstützen. Die Entschädigungssumme kann dann beispielsweise in einen umweltfreundlicheren Fuhrpark investiert werden.

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