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Die Deutsche Bahn hat trotz 25 Milliarden Euro Schulden zwischen 2012 und 2018 fast zwei Milliarden Euro nur für externe Berater ausgegeben

©Fabrizio Bensch/dpa/picture-alliance

Medienbericht: Ex-Bahn-Manager mit Existenzängsten bekam Beratervertrag

Ein Gutachten von Ernst & Young offenbart kuriose Details der Berateraffäre bei der Deutschen Bahn. Der Konzern zieht inzwischen Konsequenzen und beendet die Zusammenarbeit mit ehemaligen Führungskräften.

Berlin. Über die jahrelange Berateraffäre bei der Deutschen Bahn sind weitere Details an die Öffentlichkeit gekommen. Wie das „Handelsblatt“ jetzt berichtete, wirft ein 432-seitiges EY-Gutachten neue Fragen bezüglich der Berater-Auswahl auf. Offenbar hat der Staatskonzern einen ehemaligen Personalvorstand der DB Schenker Rail Deutschland nach dessen Ausscheiden mit einem gut dotierten Beratervertrag bedacht, denn der ehemalige Manager sah seine „wirtschaftliche Existenz durch den Aufhebungsvertrag gefährdet“. Der Fall sei zwar extrem, so das „Handelsblatt“. Er sei aber bei weitem nicht das einzige Beispiel, wie lax die Bahn ein Jahrzehnt lang Beraterverträge mit ehemaligen Führungskräften vergeben habe.

Nur einen Tag nach seinem Ausscheiden bei Schenker trat laut dem „Handelsblatt“ am 1. April 2011 ein Beratervertrag über insgesamt 374.850 Euro in Kraft. Gegenstand war die Beratung für die DB Mobility Logistics bei Fragen der „Internationalisierung der Personalarbeit“. Der Aufwand für den Ex-Schenker-Manager hielt sich dem Zeitungsbericht zufolge in Grenzen.

Er und der damalige Deutsche-Bahn-Vorstand Ulrich Weber trafen sich demnach lediglich einmal im Monat einen halben Tag, eine Dokumentation darüber gebe es nicht. „Eine Leistungserbringung konnte allenfalls in geringem Umfang festgestellt und die hierfür gezahlte Vergütung als nicht marktüblich angesehen werden“, heißt es daher im Untersuchungsbericht der Wirtschaftsprüfer von EY.

Beratervertrag mit Spitzenverdiener Schlummer ruht

In dem Gutachten von EY wurden die Beraterverträge von 29 Personen untersucht, darunter die einiger Politiker, vor allem aber die von 25 ehemaligen Bahn-Führungskräften. Mit ihnen hat der Konzern demnach zwischen 2008 und 2018 insgesamt 60 Beraterverträge im Volumen von rund 13 Millionen Euro abgeschlossen. 58 und damit fast alle Verträge wurden ohne Zustimmung des Konzernaufsichtsrats vergeben.

Die Deutsche Bahn bemüht sich inzwischen, Konsequenzen zu ziehen aus dem Debakel um Dutzende Berateraufträge, die ohne Zustimmung des Konzernaufsichtsrats vergeben wurden. So wird ein noch bis 2020 laufender Vertrag mit dem langjährigen Berater Edmund Schlummer gestoppt, berichtete das „Handelsblatt“. Der frühere Vorstand der DB Schenker Rail Deutschland habe seit 2011 zehn Beraterverträge mit der Bahn in Höhe von insgesamt 7,9 Millionen Euro abgeschlossen und sei dem EY-Gutachten zufolge damit Spitzenverdiener. (ag)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special DEUTSCHE BAHN.

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