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Containerabfertigung in LeHavre

Der Containerumschlag ist am Seehafen Le Havre letztes Jahr um 30 Prozent gesunken

©robertharding/picture-alliance

Le Havre fürchtet Abrutschen im Hafenranking wegen Corona

Der Containerumschlag am Seehafen Le Havre ist letztes Jahr deutlich gesunken. Die aktuelle Corona-Krise und die Dockerstreiks vom Beginn des Jahres haben zudem die Attraktivität des Hafens beeinträchtigt.

Paris. Der an der Seine-Mündung in Nordfrankreich gelegene Seehafen Le Havre sorgt sich um seine Stellung im europäischen Wettbewerb mit den Konkurrenten in Belgien, Holland und Deutschland.

Die aktuelle Krise und die Dockerstreiks vom Beginn des Jahres haben die Attraktivität des Hafens beeinträchtigt. Der Containerumschlag ist letztes Jahr um 30 Prozent gesunken. Die Reeder könnten demnächst Le Havre nicht mehr anlaufen und sich stattdessen auf zwei oder drei nördlicher gelegene europäische Häfen beschränken. Die „black sailings“, Annullierungen von Stopps im Hafen infolge der Streiks gegen die von Paris geplante Rentenreform, mehren sich. Die Schiffe sind weniger beladen als früher und die Anzahl der umzuschlagenden Container nimmt ab. Die Tendenz dürfte sich im Juni noch verstärken, weil dann die Folgen der Corona-Krise noch hinzukommen. Die Nachfrageentwicklung in Frankreich ist dabei, sich zu verringern, was negativ auf das Im- und Exportgeschehen durchschlägt.

Bislang konnte Le Havre beim Containerumschlag seinen Rang als die Nummer Eins in Frankreich mit 2,7 Millionen Einheiten pro Jahr vor Marseille halten. Christian de Tinguy, Vorstand der Terminaux de Normandie (TN), verweist auf diese Zahlen für das letzte Jahr: 150 Millionen Euro Umsatz mit 900 Beschäftigten und 750 Dockern.  53 Prozent des Umschlags entfielen auf den Verkehr mit Asien. Verladen werden Lebensmittel, Wein, Spirituosen, Kosmetika und Holz. Aber die Lager quellen derzeit über wegen des Nachfragestopps, schildert de Tinguy die aktuelle Situation.

Le Havre könnte Funktion als Hub für Überseeschiffe verlieren

19 Reedereien mit 50 regulären Linien sind momentan in Le Havre noch präsent, nur könnte der normannische Hafen bald seine aktuelle Funktion als Hub für Überseeschiffe verlieren und sich mit Küstenmotorschiffen begnügen müssen, fürchtet der Hafenverantwortliche. Vergleicht man die Zahlen im europäischen Vergleich mit den nördlicheren Containerhäfen, spielt Le Havre ohnehin schon jetzt eine untergeordnete Rolle: Rotterdam kommt auf 14,8 Millionen pro Jahr, Antwerpen auf 11,8 Millionen, Hamburg zählt 9,2 Millionen, Bremerhaven 4,8 Millionen und der Hafen von Felixstowe in Suffolk bringt es immerhin auch noch auf 3,7 Millionen Einheiten.

Wegen der Dockerstreiks im Dezember, Januar und Februar haben schon einige Reeder Le Havre den Rücken gekehrt und sind nach Antwerpen ausgewichen. Schon seit Längerem ziert der dortige Umschlagplatz hinter vorgehaltener Hand den Titel „größter Hafen Frankreichs“. (jb)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special SEEFRACHT & HÄFEN.

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