Landstrom

Das Thema Landstrom gewinnt immer mehr an Bedeutung, doch die Entwicklung in den einzelnen Nordhäfen ist unterschiedlich

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Landstrom in Nord-Häfen kommt voran - aber nicht überall

Klare Offensive in Hamburg und Kiel, Zurückhaltung anderswo: Beim Thema Landstrom ist das Tempo in den deutschen Häfen unterschiedlich. Es geht vor allem um den Preis und damit um die Nachfrage. Ein Treffen in Kiel soll frischen Wind bringen.

Kiel. Der Landstrom-Ausbau in den deutschen Seehäfen macht ganz unterschiedliche Fortschritte. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. So startet in Kiel in wenigen Tagen der Bau einer Anlage, die vom nächsten Sommer an Kreuzfahrtschiffe und die Fähren der schwedischen Stena Line versorgen soll. Auch Hamburg hat klare Pläne. Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen unterzeichnet Bundeswirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier (CDU) in Kiel am Donnerstag eine Absichtserklärung mit den norddeutschen Ländern. 

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) begrüßt dazu auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), Spitzenvertreter aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bremen sowie der Städte Kiel und Rostock. Entscheidend ist die Kostenfrage: Landstrom ist bisher rund drei Mal so teuer wie der Strom, den die Dieselmotoren der Schiffe erzeugen. Im Gespräch ist zum Beispiel, für Landstrom die EEG-Umlage um 80 Prozent zu kürzen. Auch eine EU-weite Anschlusspflicht steht im Raum. 

„Landstrom hat nur eine Chance, wenn der Preis konkurrenzfähig zu Dieselstrom ist”, sagte der Kieler Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) der Deutschen Presse-Agentur. Das Bundesministerium habe vor einem Jahr Zustimmung signalisiert, Kosten für Reeder zu senken - noch ohne greifbares Ergebnis. Zum Kieler Treffen sagte Buchholz: „Ein konkretes Gesetzesvorhaben wäre der größere Schritt gewesen”. 

Hamburg: Hier sollen bis 2022 zehn Landstrom-Anschlüsse entstehen, acht für Containerfrachter; zwei für Kreuzfahrer. Sollten die Anlagen insgesamt 300 mal im Jahr genutzt werden, ließen sich 43.000 Tonnen CO2 und viele weitere Schadstoffe einsparen. Am Kreuzfahrtterminal Altona steht  seit 2016 eine Landstromanlage, die wenig genutzt wird. Derzeit können zwölf Prozent der großen Containerschiffe, die Hamburgs Hafen anlaufen, Landstrom nutzen.

Kiel: Seit dem Frühsommer „tanken” die Oslo-Fähren Landstrom. Der Bau einer Anlage am Kreuzfahrer-Terminal Ostseekai beginnt in wenigen Tagen. Die Anlage soll im nächsten Sommer in Betrieb gehen. „Wir wissen bereits, dass die Aida-Schiffe und ein Tui-Schiff Landstrom nehmen werden”, sagte Hafen-Sprecher Ulf Jahnke. In Zukunft soll Landstrom bis zu 70 Prozent des Energiebedarfs aller Schiffe decken. Die neue Anlage kostet 13,5 Millionen Euro. Sie ist flexibel, kann verschiedene Schiffstypen bedienen. Ein Kabel wird zum Schwedenkai verlegt, so dass auch die Göteborg-Fähren an die Steckdose kommen. 

Brunsbüttel: Schleswig-Holsteins größter Industriehafen ist vor allem im Gespräch als Terminal-Standort für die Betankung von Schiffen mit verflüssigtem Erdgas (LNG). 

Lübeck hat bisher eine Landstromanlage am Nordlandkai. Sie wurde schon 2008 in Betrieb genommen, als bundesweit erste dieser Art für Seeschiffe. Sie wird nur von den Schiffen einer schwedischen Reederei genutzt. Für den Skandinavienkai in Travemünde, einem der größten RoRo- und Fährhäfen in Europa, ist Landstrom immer mal wieder ein Thema, konkrete Pläne gibt es laut Hafengesellschaft aber noch nicht. 

Wilhelmshaven: Im JadeWeserPort, Deutschlands einzigem Container- Tiefwasserhafen, werden nur Containerschiffe abgefertigt. Landstrom fließt für sie noch nicht, aber bauliche Voraussetzungen dafür wurden geschaffen. Der Hafen strebe in Abstimmung mit maritimer Wirtschaft und Energiesektor einen bedarfsgerechten Ausbau an, sagte Sprecherin Susanne Thomas. „Bislang konnten wir von Kundenseite, der Reedereiwirtschaft, noch keinen Bedarf erkennen.” 

Bremerhaven: Auch hier noch kein Durchbruch. Der Aufbau solcher Kapazitäten erfordere eine hohe zweistellige Millionensumme, sagte Bremenports-Sprecher Holger Bruns. Dafür sei die Nachfrage der Reeder zu gering. Nur vereinzelt könnten Container-, Autotransport- oder Kreuzfahrtschiffe Landstrom aufnehmen. Bremerhaven habe zudem keine Probleme mit der Luftreinhaltung wie stadtnahen Kreuzfahrtterminals. Bremerhaven denkt laut Bruns darüber nach, ob sich - wie bereits in Hamburg - eine mobile „LNG-Barge” anbietet, die mit emissionsarmem Flüssigerdgas (LNG) Strom produziert und an die Schiffe abgibt.

Cuxhaven hat seit Ende Mai 2018 einen festen Landstromanschluss, den vor allem ein Schiff zu Installation von Offshore-Windkraftanlagen nutzt. Auch in Cuxhaven wäre man im Grundsatz zu einem Ausbau bereit, sagte die Sprecherin von Niedersachsen Ports, Dörte Schmitz. Aber dafür müsse der Bedarf da sein. „Die Infrastruktur folgt dem Bedarf.” 

Rostock: Hier gibt es für die Kreuzschifffahrt noch kein Angebot. Vom nächsten Jahr an soll in Warnemünde an zwei Liegeplätzen Landstrom fließen. Als Ziel gibt Rostock Port an, dass alle Schiffe, die Landstrom annehmen können, das auch tun werden. In der regelmäßigen Linienfahrt von Frachtern gebe es bisher keine Nachfrage. (dpa)

 

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