Stadthafen Osnabrück
Wenig los in Osnabrück©Stadtwerke Osnabrück

In den Binnenhäfen herrscht Flaute am Kai

Überangebot an Frachtraum auf der Straße belastet auch die Binnenschiffer

Osnabrück. Idyllisch funkeln die Sonnenstrahlen auf dem Wasser des Osnabrücker Hafens. Ein paar Enten schwimmen zwischen den Kaimauern umher. Sie haben jede Menge Platz, denn in den Hafenbecken herrscht derzeit kaum Betrieb. Lediglich ein einzelnes Frachtschiff hat festgemacht. Es ist unübersehbar: Der Osnabrücker Hafen leidet wie viele andere auch unter der Wirtschaftskrise. Im Schnitt müssten die Binnenhäfen dieses Jahr mit einem Minus beim Umschlag von 25 Prozent rechnen, heißt vom Bundesverband Öffentlicher Binnenhäfen (BÖB). Vor allem der Containerverkehr und das Stahlgeschäft seien von dem Rückgang betroffen, sagt BÖB-Geschäftsführer Karl Michael Probst. Zwar gebe es in jüngster Zeit Anzeichen für eine Besserung, von einer Erholung könne man aber noch nicht sprechen. In Osnabrück ist der Umschlag im ersten Halbjahr um bis zu 50 Prozent eingebrochen. 2008 waren im Stadthafen noch 1,24 Millionen Tonnen umgeschlagen worden. In diesem Jahr erwarten die Stadtwerke als Betreiber gerade einmal noch 800.000 Tonnen, was einem Rückgang um ein Drittel entspricht. Ähnlich sieht das Bild in Salzgitter aus, wo 2008 noch 1,6 Millionen Tonnen umgeschlagen wurden. In Salzgitter macht sich vor allem die Flaute im Stahlgeschäft negativ bemerkbar, da der Hafen als Umschlagpunkt für den Mutterkonzern Salzgitter AG dient. In Oldenburg ist die im Binnenverkehr umgeschlagene Gütermenge vergleichsweise moderat um 13,5 Prozent zurückgegangen. Zudem kann das Minus durch ein Plus im Seeverkehr aufgefangen werden. Dagegen melden die Städtischen Häfen Hannover ebenfalls ein kräftiges Minus. Für das erste Halbjahr 2009 erwarten sie einen Umsatzrückgang von 20 bis 25 Prozent. Erschwert wird die Lage für die Häfen durch die Konkurrenz auf der Straße. Das derzeitige Überangebot an Lastwagen habe zu einem Preiskampf um die wenigen vorhandenen Ladungen geführt, sagt Roland Thalmann, Bereichsleiter Hafenlogistik in Hannover. Die Städtischen Häfen Hannover seien jedoch auf den Preiskampf nicht eingestiegen, man gehe einen anderen Weg. „Es wird in dieser Phase vorausschauend in Personalqualifizierung und Materialerneuerung investiert, um aus dieser Krise zusätzlich gestärkt hervorgehen zu können“, betont Thalmann. Gedanken über die langfristige Entwicklung machen sich die Verantwortlichen derzeit allerorten. Viele Kommunen forcieren einen Ausbau ihrer Zufahrtswege zu den Hauptschifffahrtsrouten, um diese auch für größere Schiffe passierbar zu machen. In Osnabrück etwa sind schon über 40 Millionen Euro in die Verbreiterung des dortigen Stichkanals geflossen. Bevor aber Großmotorgüterschiffe den Hafen anlaufen können, müssen Bund und Land noch die zugehörigen Schleusen ausbauen. Kostenpunkt: weitere 90 Millionen Euro. Dabei ist ungewiss, ob Osnabrücks Hafen an seinem jetzigen Standort überhaupt erhalten bleibt. Denn der Hafenbetreiber Stadtwerke als auch der Landkreis können sich nach eigenen Angaben einen Umzug des Hafens an den Mittellandkanal bei Bohmte vorstellen. Es sei aber noch nichts entschieden, heißt es. Die Stadt selbst lässt nun ein Gutachten zum Potenzial am bisherigen Standort erstellen. Wie man neues Leben in den Hafen holt, hat Osnabrücks Nachbarstadt Münster vorgemacht. Als Reaktion auf Rückgänge im Güterumschlag gab die Stadt Teile des Hafens für eine neue Nutzung frei. In den alten Speichern siedelten sich Verlage, Ateliers, Architekturbüros und Gastronomie an, zudem entstanden moderne Bürobauten. Statt Gütern werden an den Mauern des „Kreativkais“ jetzt Ideen umgeschlagen. (dpa)

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