Maren Hering bei Radtour

Maren Hering (vorne), Sprecherin des VSH, mit Teilnehmern der Aktion „Perspektivwechsel Radtour“

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Hamburger Verkehrsverband schickt Lkw-Fahrer auf Radtour

„Perspektivwechsel Radtour“ heißt eine Initiative des Verbandes Straßengüterverkehr und Logistik Hamburg, die am Wochenende erstmals stattgefunden hat. Im Interview berichtet VSH-Sprecherin Maren Hering von den Erlebnissen und Erkenntnissen des Tages.

Hamburg. Am vergangenen Samstag haben der Verband Straßengüterverkehr und Logistik (VSH) Hamburg, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Hamburg, die Unternehmen Remondis und Heinrich Zoder Spedition sowie die Straßenverkehrsgenossenschaft (SVG) Hamburg zur Aktion „Perspektivwechsel Radtour“ in Hamburg eingeladen. Lkw-Fahrer und Radfahrer hatten die Möglichkeit, gemeinsam bei einer Radtour die Risiken im Straßenverkehr aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Die VerkehrsRundschau hat die VSH-Sprecherin Maren Hering zu den Erlebnissen und Erkenntnissen des Tages befragt.

Frau Hering, Sie haben Lkw-Fahrer auf Radtour geschickt. Welchen Anlass gab es für die Aktion „Perspektivwechsel Radtour“?

Der Grund liegt auf der Hand: Die häufigen und in der Mehrzahl tödlichen Fahrradunfälle mit Lkw. In Hamburg sind dieses Jahr schon einige passiert. Die eigentliche Planung der Aktion „Perspektivwechsel Radtour“ begann allerdings schon vergangenes Jahr auf der Mitgliederversammlung des Verbands Straßengüterverkehr und Logistik Hamburg. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Hamburg war eingeladen und wir waren uns einig, dass wir gemeinsam etwas tun wollen. Dabei sollte es vor allem um einen ersten Schritt gehen, in dem für mehr Verständnis und ein besseres Miteinander im Straßenverkehr gesorgt wird. Die Teilnahme sollte freiwillig erfolgen.

Wie viele haben bei der Aktion mitgemacht?

Ich habe mit zwei Mitgliedsunternehmen des VSH gesprochen, der Remondis und der Heinrich Zoder Spedition. Die Geschäftsführung und die Lkw-Fahrer waren begeistert von der Aktion und haben sich für die Tour gemeldet. Wir waren rund 20 Personen, davon drei Touren-Guides des ADFC und eine Fahrradfahrerin, und sind die 18 Kilometer lange Strecke durch Hamburg in drei Gruppen gefahren. Es wurde an fünf Punkten gehalten, an denen in der Vergangenheit tödliche Unfälle passiert sind. Bei jeder Gruppe war ein Touren-Guide des ADFC Hamburg dabei, der für Informationen und Sicherheit gesorgt hat.

Apropos Sicherheit: Hatten alle einen Helm auf?

Viele Lkw-Fahrer und auch ich hatten einen Helm auf. Ansonsten hat jedoch niemand einen Helm getragen – das ist auch ein heißes Thema.

Heiß vielleicht auch wegen des Wetters, der vergangene Samstag war ein besonders heißer Tag. Wie ging es den Teilnehmern bei der Tour?

Es war tatsächlich sehr heiß. Ein Fahrer von Remondis, der selbst nicht Fahrrad fahren konnte, ist mit dem Auto nebenhergefahren und hat uns mit Getränken versorgt. Das war sehr angenehm. Die Lkw-Fahrer haben die Tour gut durchgehalten und waren fit. Wir sind allerdings nicht die komplette Strecke an einem Stück gefahren – auch, weil die Presse mit dabei war.  Dazu kamen Pausen an den Unfallpunkten und für den Austausch zwischen den Teilnehmern der Radtour.

Wie sah dieser Austausch zwischen den Lkw-Fahrern und den Radfahrern des ADFC Hamburg aus?

Er war sehr persönlich. Eine ältere Fahrradfahrerin sieht beispielsweise Lkw-Fahrer jetzt mit anderen Augen. Früher hat sie oft nur die großen Lkw gesehen, die ihr Angst gemacht haben. Jetzt findet sie es toll, dass die Lkw-Fahrer da waren und sich für die Aktion interessiert haben. Auch für den toten Winkel hat sie ein besseres Verständnis entwickelt und gemerkt, dass man als Radfahrer sehr vorsichtig sein muss.

Sind weitere Schritte geplant, um für mehr Sicherheit im Straßenverkehr in Hamburg zu sorgen?

Wir möchten die Aktion „Perspektivwechsel Radtour“ publik machen. Jeder, der möchte, soll die Möglichkeit haben, mit dem ADFC eine Tour zu machen und für die Risiken im Straßenverkehr sensibilisiert zu werden. Darüber hinaus hat die Straßenverkehrsgenossenschaft (SVG) Hamburg sich die „Perspektivwechsel Radtour“ für die Aus- und Weiterbildung zertifizieren lassen. Selbst die Agentur für Arbeit in Hamburg unterstützt diese Aktion. Ohne diese Zustimmung hätte eine Zertifizierung keinen Sinn gemacht. Zudem befinde ich mich in Gesprächen mit der Berufsschule für Berufskraftfahrer in Hamburg. Diese hat ebenfalls ein Interesse an der Aktion gezeigt. Es geht darum, wie man die Erkenntnisse aus der Radtour in den Ausbildungsplan der Berufsschüler integrieren kann.

Zum Abschluss: Was nehmen Sie selbst von dem Tag mit?

Ich fand es sehr spannend zu sehen, mit welcher Skepsis sich am Anfang die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer beäugt haben. Auf der einen Seite die Mitglieder des ADFC Hamburg und auf der anderen Seite die Brummi-Fahrer. Je länger jedoch die Radtour ging, desto lockerer wurde es. Beide Gruppen haben sich im Verlauf der Tour immer mehr geholfen und ein Verständnis für den jeweils anderen entwickelt. Am Ende aßen wir zusammen Pizza und unterhielten uns über den Tag. Man sieht, dass es geht, wenn man miteinander spricht.

(ja)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special VERKEHRSSICHERHEIT.

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Verkehrssicherheit, SVG – Genossenschaft


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