Ulrich Schulz, Michael Eichen, Gerd Bretschneider, Fuhrgewerbe-Innung Berlin-Brandenburg

Der Vorsitzende Ulrich Schulz, Ehrenvorsitzender Michael Eichen, und Innungsgeschäftsführer Gerd Bretschneider (v.l.) begrüßten über 100 Mitglieder zur Versammlung

©VR/Birgit Bauer

Fuhrgewerbe-Innung Berlin-Brandenburg tagt im Zeichen der Einheit

Ein zusammengewachsenes Deutschland und das vereinte Europa stellte Ulrich Schulz, Vorsitzender der Fuhrgewerbe-Innung Berlin-Brandenburg, der Verbandsversammlung in Berlin voran. Doch er legte den Finger auch auf die Probleme.

Berlin. Über 100 Mitglieder kamen in diesem Jahr zur Mitgliederversammlung des Verbands. „Außergewöhnlich viele“ freute sich die Führung der Fuhrgewerbe-Innung. „Einige von Ihnen wären allerdings gar nicht hier, wenn es vor 25 Jahren nicht die friedliche Revolution in Deutschland gegeben hätte“, erinnerte der Vorsitzende Ulrich Schulz an den kürzlich zurückliegenden Mauerfall. Er betonte, dass nicht nur das zusammengewachsene Deutschland, sondern auch das vereinte Europa, durch das man „wirtschaftliche und soziale Standards geschaffen hat, die beispielhaft für andere Regionen auf der Welt sind“, bemerkenswert sei.

Schulz zeigte dann aber auch die dunklen Punkte der Entwicklung auf: Wenn Sozialdumping unter dem Deckmantel des europäischen Gedankens hoffähig werde, sprach er die Liberalisierung der Kabotage an, und fragwürdige Sozialpraktiken einen mittelständisch geprägten Gewerbezweig in Mitteleuropa gefährdeten, müssten sich die Politiker nicht wundern, wenn ihnen aus dem Transportgewerbe heraus Misstrauen und Wut entgegenschlagen würden, warnte er. Einige der Politiker zeigten zwar Verständnis, berichtete Schulz. Aber generell müsse man bei Forderungen des Gewerbes stets dicke Bretter in Brüssel bohren, so seine Erfahrung. In der Region Berlin-Brandenburg sind vor allem der KEP- und der Stückgutbereich vom Sozialdumping betroffen. Man müsse die Sozialstandards europaweit harmonisieren, fordert die Fuhrgewerbe-Innung.

Beim Mindestlohn sieht man massive Probleme bei der Arbeitszeitgestaltung zum Thema Bereitschafts- und Pausenzeiten und bei den Minijobbern. „Wir haben vorgeschlagen, die Bereitschaftszeiten anders zu vergüten, aber dem ist der Gesetzgeber leider nicht gefolgt“, erklärte Innungsgeschäftsführer Gerd Bretschneider gegenüber der VerkehrsRundschau. Er sieht auch die Prämiensysteme, mit denen man die guten Mitarbeiter motiviere, gefährdet.

Im nächsten Jahr werde auch das Entsorgungsthema im Regionalverkehr sehr kritisch bleiben, so Bretschneider. Die Behörden hätten beispielsweise in Berlin Sperrmüllsammlungen als überlassungspflichtig erklärt und in Brandenburg den Transport von Baumischabfällen. Dabei gebe es hier für Privatunternehmen Bestandsschutz, erklärte er. Man sei hier in Diskussionen mit dem Umweltministerium und habe auch den Klageweg beschritten, machte der Geschäftsführer deutlich. (bb)

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