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Der anhaltende Streik der SNCF lähmt mehrere Wirtschaftszweige

©NurPhoto/dpa/picture-alliance

Frankreich: Bahnstreik bringt Wirtschaft in Gefahr

Der Mammutstreik bei SNCF hat Folgen – der Kombinierte Verkehr fordert daher Entschädigungen vom Staat. Auch andere Wirtschaftszweige sehen sich gefährdet.

Paris. GNTC, die französische Kombitransport-Vereinigung, sieht den weiteren Ausbau des Kombiverkehrs durch den Bahnstreik in Gefahr und verlangt von Paris Entschädigungen für die durch den auf drei Monate befristeten Ausstand gefährdeten Unternehmen. Der Staat stehe hier voll in der Verantwortung.

Im Übrigen habe die 2006 erfolgte Öffnung des Bahnfrachtmarktes für die Konkurrenz dazu beigetragen, den Fortbestand des Kombisektors zu sichern und seine weitere Entwicklung zu ermöglichen. Zwischen 2010 und 2015 habe der Bereich sein Transportvolumen um 30 Prozent erhöht, im darauf folgenden Jahr jedoch infolge von Streikbewegungen bei der SNCF einen starken Rückgang verbucht. Es obliege dem Staat, dafür Sorge zu tragen, dass das EU-Recht auf freie Zirkulation von Personen und Fracht respektiert wird.

Binnenhäfen und Agrarwirtschaft von Streik betroffen

Der Streik lähmt auch die Aktivitäten der Multimodaleinrichtungen an Binnenhäfen in der Bourgogne in Mâcon und Chalon-sur-Saône und hat den größten Bahnfrachtnutzer, den Stahlfabrikanten ArcelorMittal, veranlasst, während des aktuellen Langstreiks bei der Bahn auf andere Transportlösungen umzusteigen.

Stark gefährdet sieht sich auch die Getreidewirtschaft, die ebenfalls von einem funktionierenden Multimodalsystem Schiene-Fluss abhängig ist. Rund 60 Prozent der Getreidetransporte der führenden Genossenschaft Axéréal erfolgen über die Schiene. Ihr gehören 13.000 Einzelerzeuger an, die normalerweise pro Tag bis zu acht Güterzüge beladen.

Die Verluste für Axéréal allein aus der ersten Streikphase Anfang April seien erheblich, berichtet Axéréal-Vorstand Jean-François Loiseau. 22 voll beladene Züge hätten nicht zirkulieren können. Bei Lieferverzögerungen und Nichteinhalten von Verträgen drohen entsprechende Strafen, gibt Philippe Pinta vom Verband der Weizenerzeuger zu bedenken. Pro Zug, der nicht fahre, entstünden Zusatzkosten von sieben bis zehn Euro pro Tonne an, das seien rund 10.000 Euro insgesamt.

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Nicht alle Güter können auf die Straße ausweichen

Im Bereich der Bauwirtschaft trifft der Ausstand unter anderem die Versorgung von Baustellen mit Granulat. Wenn der Streik wirklich bis Juni andauere, könnten an die zwei Millionen Tonnen nicht wie üblich per Bahn, sondern nur über die Straße befördert werden. Das wären dann potenzielle 150.000 Lkw-Touren mehr, fürchtet Christian Rose für seinen Frachtnutzerverband AUTF.

Nicht alle Güter können jedoch als Alternative vom Straßengütertransport geschultert werden, erklärt Jacques Lauvergne vom Verband der Eisen- und Stahlindustrie. Auch für die chemische Industrie sei der Transport per Bahn unverzichtbar für die reibungslose Versorgung der Kunden mit Rohstoffen und Gefahrgut. Rose ergänzt, dass sich angesichts des aktuellen Mangels an Lkw-Kapazitäten und -Fahrern die Transportkosten für etliche Unternehmen verdoppeln könnten, die gezwungen sind, während des Bahnstreiks auf die Straße umzusteigen.

Auch die Zulieferindustrie für die Pkw-Hersteller des Landes wie Peugeot PSA erleidet unter dem Mammutstreik bei SNCF Einbußen. Mangels Zügen würden jetzt schon „Hunderte Neu-Fahrzeuge“ auf den Flächen entlang der Schienenzuführung abgestellt und bis auf weiteres gelagert, so auf dem Aéroparc bei Fontaine in der Region France-Comté. (jb)

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