Insolvenz

Experten erwarten für 2020 erstmals seit Jahren wieder einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen

©dpa/Picture Alliance/ Sören Stache

Firmenpleiten auf Rekordtief – 2020 aber wieder mehr Fälle erwartet

Nach dem niedrigsten Stand seit 1990 bei Firmeninsolvenzen im Jahr 2019 erwarten Experten für das Jahr 2020 wieder einen Anstieg. Kein gutes Zeichen für die Logistik, die aktuell bei Firmenpleiten an der Spitze steht.

Frankfurt/Hamburg. Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist dank guter Wirtschaftslage und günstiger Finanzierungsbedingungen im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit Ende der 1990er Jahre gesunken. Allerdings erwarten Experten 2020 erstmals seit Jahren wieder einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen.

„Die Abschwächung der Konjunktur in Deutschland wird sich 2020 auch in den Insolvenzzahlen niederschlagen“, bekräftigte die Geschäftsführerin der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel, Ingrid Riehl, am Donnerstag. Zudem könnten weitere Firmen in den Strudel von Großinsolvenzen gerissen werden, deren Zahl sich erhöht hatte.

Nach aktuellen Zahlen steht die Logistik bei der Auswertung der Hauptbranche mit 80 Firmeninsolvenzen je 10.000 Unternehmen an der Insolvenz-Spitze. Danach folgt die Dienstleistungsbranche mit 78 Insolvenzen und das Bauwesen mit 70 Insolvenzen.

Im Jahr 2019 traten nach Crifbürgel-Angaben 19.005 Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter an. Ein Jahr zuvor hatte es 19.552 Firmenpleiten gegeben. Damit sank die Zahl im zehnten Jahr in Folge und erreichte den tiefsten Stand seit Einführung der neuen Insolvenzordnung im Jahr 1999. Einen noch etwas niedrigeren Wert hatte es im Jahr 1994 gegeben als 18.820 Insolvenzen registriert wurden. Ähnliche Zahlen hatte im Dezember Creditreform veröffentlicht. Amtliche Zahlen für 2019 gibt es im März vom Statistischen Bundesamt.

19.500 Firmenpleiten für 2020 erwartet

Im laufenden Jahr rechnet Crifbürgel mit 19.500 Firmenpleiten in Deutschland, Creditreform geht nach Angaben aus dem Dezember von 19.800 Fällen aus. Handelskonflikte und der Brexit belasten Exporteure, die Umbrüche in der Automobilindustrie fordern auch deren Zulieferer.

Für viel Aufsehen sorgten im vergangenen Jahr unter anderen die Insolvenzen des Reisekonzerns Thomas Cook und der Modefirma Gerry Weber. Die weitaus meisten Unternehmen sterben jedoch im Verborgenen: Nach Angaben der Wirtschaftsauskunfteien haben vier von fünf Firmen, die in die Pleite rutschen, höchstens fünf Beschäftigte. Insgesamt verursachten Firmeninsolvenzen 2019 nach Crifbürgel-Berechnungen knapp 25 Milliarden Euro Schäden.

Die meisten Firmenpleiten gab es Crifbürgel zufolge im vergangenen Jahr in Berlin mit 90 je 10.000 Unternehmen, die wenigsten in Thüringen mit 36 je 10.000 Firmen. Der Bundesschnitt lag bei 58. (dpa/ja)

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