ABT_e_Caddy

Durch den Elektro-Umbau legt der Caddy um 154, der T6.1 um 174 Kilo Gewicht zu – bezogen zum vergleichbaren Diesel-Modell

©Volkswagen

Erste Ausfahrt mit dem Elektro-Caddy von ABT

In wenigen Wochen sind die von ABT auf Elektroantrieb umgerüsteten Caddy- und Transporter-Modelle beim VW-Händler erhältlich. Die VR ging mit den Stromern bereits auf Tour.

Kempten. Strom als Antriebsquelle hatte im Jahr 2003, aus dem die aktuellen Grundkonstruktionen des Caddy und Transporter T6.1 stammen, bei VW noch niemand im Fokus. In diese auf Verbrennungsmotoren optimierten Konzepte nachträglich einen Elektroantrieb zu konzipieren, bedeutet viel Tüftelei, die sich für einen Automobilriesen wie Volkswagen nicht lohnt. Stattdessen greift man auf kompetente Hilfe von ABT zurück. Das Kemptener Unternehmen, bislang vorrangig als hochpreisiger Edeltuner für die Pkw-Konzernprodukte bekannt, baut sich mit der Elektrifizierung der beiden Transporterbaureihen ein weiteres Standbein auf und bringt allein durch seinen Engagement in der Rennserie Formel E, einiges an entsprechendem Know-how mit.

Für die Realisierung des ungleich bodenständigeren Projektes, sah man sich nach eigener Aussage in den Regalen der E-Komponentenzulieferer in aller Welt um. Grundlage sind bei beiden Transporter-Modellen die Derivate mit langem Radstand, die genügend Platz für die unterflur montierte Batterie mitbringen. Ihre Kapazität von 37,3 kWh soll im Falle des Caddy für maximal 141 Kilometer genügen. Geboren werden die Stromer allerdings als herkömmliche Dieselvariante, die beim Umbaupartner Alko im schwäbischen Günzburg ihres Verbrenners und allen dazugehörigen Komponenten entledigt werden. Mit einer Ausnahme: Das DSG-Getriebe darf bleiben und übernimmt mit seinen ersten vier Gängen (Gänge 1 bis 3 beim T6.1) die Kraftverteilung des im Piek 83, ansonsten 48 Kilowatt leistenden E-Motors von Bosch. Die sanften Gangwechsel nehmen lediglich versierte Fahrer zur Kenntnis, sie sind aber auch der Grund, dass die Rekuperation nach dem Loslassen des Gaspedals mitunter etwas verzögert eingeleitet wird, weil die Elektronik zunächst noch eine niedrigere Fahrstufe anwählt.

Bewusst verzichtet hat ABT auf mehrere verschieden starke Rekuperationsmodi à la Mercedes-Benz eVito, die laut den Kemptenern kaum ein Fahrer sinnvoll einsetzen würde. Die gewählte Rekuperationsstärke erweist sich aber zumindest bei leerem Frachtabteil als ausreichend kräftig, um den Caddy meist ohne Bremspedal durch den Stadtverkehr zu steuern. Ansonsten gibt sich der ABT-Caddy elektrotransporter-typisch unspektakulär. Die 48 kW genügen zum Mitschwimmen überland und im Stadtverkehr völlig, für eilige Lieferungen ließe sich zur Not der S-Modus über den DSG-Wahlhebel ansteuern, in dem der Stromer 200 Newtonmeter Drehmoment und erwähnte 83 kW bereitstellt. Wahlweise bei Tempo 90 oder 120 endet in beiden Fahrmodi der Vortrieb, dann dürfte es mit der Reichweite allerdings nicht mehr weit her sein.

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Nachgeladen wird mit Wechselstrom (AC) per 7,2 kW-Anschluss, was laut ABT nach höchstens vier Stunden erledigt ist. Oder man nutzt den 50-kW-Gleichstrom-Anschluss, der in 50 Minuten bis zu 80 Prozent der Batteriekapazität wieder herstellt, aber bekanntermaßen die Lebensdauer des Akkus, auf die VW und ABT acht Jahre oder 160.000 Kilometer gewähren, wenig zuträglich ist.

Dem Umbaukonzept geschuldet: Für die Unterbringung der Ladeanschlüsse nutzt ABT die vorhandenen Tankstutzen. Kann man sich mit dessen Position beim T6.1 hinter der Fahrertür noch arrangieren, ist es durch die beim Caddy am linken Fahrzeugheck untergebrachte Klappe an kaum einer Ladesäule möglich, ohne umfangreiches Kabelverlegen anzudocken.

In der Werkstatt andocken müssen E-Caddy und E-T6.1 bis auf weiteres jährlich und dürfen dafür jeden für Elektromobilität autorisierten VW-Servicestützpunkt anlaufen. Dort bezieht sich das Programm in den ersten Jahren vorrangig auf Sichtprüfungen der Komponenten.

Ebenfalls zuständig ist der VW-Partner für Bestellung und Auslieferung, wobei die Niedersachsen ausschließliche Leasing-Modelle anbieten werden. Die Caddy Kastenwagen- und Kombimodelle sollen ab März verfügbar sein und bei 293 monatlicher Rate starten. Noch keine genauen Preise nennt Volkswagen für den ABT-T6.1, der ein paar Wochen später folgt, als Kastenwagen, Kombi, Caravelle und Doppelkabinen-Pritsche. Für eine sprunghafte Nachfrage wäre ABT gewappnet: Bis zu 10.000 Exemplare könnte Partner Alko jährlich realisieren. (bj)

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