Online Versender und Transporteure zusammen bringen - das bieten immer mehr Plattformen wie Saloodo

 

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Digitalisierung setzt Logistiker unter Druck

In der Logistikbranche positionieren sich zunehmend digitale Plattformkonzepte. Was dies für die Unternehmen heißt, zeigt eine Studie von BearingPoint und des IIHD Instituts.

Frankfurt am Main. Neue Technologien, innovative Geschäftsmodelle, Anbieter und Start-ups setzen auch in der Logistikbranche etablierte Unternehmen zunehmend unter Druck – sowohl im B2B-, B2C- als auch C2C-Segment. Das zeigt eine Studie der Management- und Technologieberatung BearingPoint und des IIHD Instituts. Das IIHD Institut ist ein An-Institut der Hochschule Worms, das sich als Themenbildner und Partner der Branchen Handel, Konsumgüter und konsumentennahe Services sieht.

Die Lösungen der neuen Anbieter lassen sich laut Studie wie folgt clustern: So verfolgen etliche den Plattform-Gedanken, bei dem der Anbieter keine eigenen Ressourcen benötigt, sondern nur seine Plattform steuern muss. Zum anderen wird der Crowd-Sourcing-Ansatz verfolgt; die Ressourcen für die Durchführung der jeweiligen Aufgaben werden dafür dezentral von den Plattformteilnehmern zur Verfügung gestellt. Den Studienautoren zufolge wirke sich dies auf eine Vielzahl von Akteuren aus und mache einige schon überflüssig. Die Branche sei dadurch aber noch nicht revolutioniert worden, heißt es. Der Druck auf die etablierten Akteure steige aber.

„Etablierten Logistikdienstleistern droht zunehmend Konkurrenz von zwei Fronten – neue Logistik Start-ups und große Händler, die selbst die Logistik übernehmen“, resümiert Kay Manke, Partner bei BearingPoint. Und die heutigen Technologien würden den Markteintritt für neue Anbieter deutlich erleichtern. „Darauf müssen etablierte Logistikdienstleister möglichst schnell reagieren und entsprechende Lösungen entwickeln und umsetzen“, appelliert der Berater. „Kostenreduktion, schnellere Lieferungen, automatisierte Prozesse – die Potenziale innovativer zukunftsfähiger Konzepte sind groß.“

Start-ups – Konkurrenz für Frachtenbörsen

Als direkte Konkurrenz zu Frachtenbörsen positionieren sich vor allem in den USA einige Start-ups, die ihre Dienste als günstige und einfach zu handhabende Alternative anbieten. Ihren Angaben zufolge verspricht dies eine unkomplizierte Abwicklung, automatische Auftragszuordnung (Matching) und Preisbestimmung oder Echtzeitverfolgung. In Europa dagegen bieten Lkw-Hersteller einen anderen Plattformansatz, zum Beispiel MAN mit RIO. Auch sie versprechen eine Verbesserung der Laderaumausnutzung und Kommunikation. Der aktuellen Studie zufolge sei es der Weg von einer einsatzfähigen Start-up-App bis zu einem marktbeeinflussenden Wettbewerber noch weit.

Crowd-Sourcing für die Letzte Meile

Weiterer Trend laut der Studie ist: Kunden erwarten zunehmend eine noch schnellere Lieferung. So erwartet knapp ein Drittel der Verbraucher (29 Prozent) eine Lieferung schon am nächsten Tag; im Jahr 2009 waren es nur 14 Prozent. Für den Handel sei es also immer wichtiger, die richtigen Partner für die Umsetzung von taggleichen Zustellungen (Same-Day-Delivery) zu finden, um ein entsprechendes Angebot aufzubauen. Je nach Ausgestaltung gibt es laut Studie aber schon eine große Anzahl potenzieller Zusteller, die diese Lieferfähigkeit sicher stellen – sowohl als reiner Crowd-Sourced-Ansatz mit Fokus auf Privatpersonen als auch in Kooperation mit gewerblichen Kurieren.

Mitfahrgelegenheiten für Pakete

Analog zu Mitfahrgelegenheiten für Personen können auch Pakete oder Gegenstände transportiert werden. So kann über spezielle Plattformen mittlerweile auch ungenutzter Platz in Autos gebucht werden. Allerdings gibt es laut Studie teilweise noch Bedenken, ob das Paket sicher ankommt. Da es zudem bislang wenig verfügbare Angebote in diesem Bereich gebe, gehen die Studienautoren derzeit nicht davon aus, dass diese Form des privaten Warenversands zu einer ernsthaften Gefahr für die Paketdienstleister werde.

Neue Ansätze – aber noch kein durchschlagender Erfolg

Fazit: Die vorgestellten neuartigen Modelle zeigen die Bandbreite, mit der verschieden Plattformansätze die Logistik in vielfältiger Weise verändern. Insgesamt sei die Lösungslandschaft noch sehr heterogen, heißt es, sowohl in Bezug auf den Reifegrad als auch im Hinblick auf die geografische Verbreitung der Plattformen. „Globale Player, etwa Uber, konnten sich bisher aufgrund der komplexen Anforderungen der jeweiligen Logistikszenarien noch nicht in allen Anwendungsfällen etablieren“, resümiert Jörg Funder, Geschäftsführender Direktor des IIHD-Instituts. Die zunehmende Zahl von erfolgreichen Start-up-Konzepten zeige jedoch, so Funder, dass es sich lohne, sich detailliert mit diesen Ansätzen auseinanderzusetzen, um als etablierter Akteur das eigene Leistungsportfolio entsprechend anzupassen und auch mal neue Wege zu gehen. (eh)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special KONTRAKTLOGISTIK.

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