Deutsche Bahn, Flügelsignal, Deutsche Post DHL

Der Wettbewerbsverein warnt vor einer Monopolisierung des deutschen Transport- und Logistikmarktes durch die Töchter von Deutsche Bahn und Deusche Post

©Ralph Peters/Chromorange/picture-alliance

DHL, DB Cargo und Schenker: Spediteure kritisieren Staatskonzerne

Der Wettbewerbsverein privater Speditions-, Logistik- und Transportunternehmen prangert auf Basis einer Mitgliederumfrage die starke Marktposition der Bahn- und Post-Töchter an und fordert strengere Kontrollen.

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Köln. Viele Speditionen sehen sich gegenüber staatlichen und halbstaatlichen Wettbewerbern wie den Deutsche-Bahn-Töchtern DB Cargo und Schenker oder Deutsche Post DHL massiv benachteiligt. Das hat jetzt eine aktuelle Marktanalyse und Mitgliederumfrage des Wettbewerbsvereins für das Speditions-, Logistik- und Transportunternehmen ergeben. Anlässlich der Vorstellung des Berichts „Die Situation der privatwirtschaftlich finanzierten Speditionen in Deutschland“ prangerte der Wettbewerbsverein am Mittwoch in Köln die starke Marktposition staatlicher und halbstaatlicher Konzerne in diesem Wirtschaftszweig an und verlangte strengere Kontrollen.

Zwei Drittel der 133 befragten Speditionsunternehmen sind demnach überzeugt, dass es keine Chancengleichheit zwischen dem privaten und dem (halb-)staatlichen Transport- und Logistik-gewerbe gebe. Sie beklagen der Umfrage zufolge Quersubventionen, Preisangebote der staatlichen Anbieter unterhalb des Marktpreises und geringere Kontrollen des Geschäftsgebarens durch Bundesorgane. „Unsere Mitglieder fühlen sich durch das Zusammenspiel zwischen halbstaatlichen Unternehmen, staatlichen Auftraggebern und staatlichen Kontrollorganen benachteiligt“, erläuterte Andreas Müller, Geschäftsführer des Wettbewerbsvereins.

Wettbewerbsverein stellt acht Forderungen

Mehr als jeder zweite Befragte befindet sich laut der Studie in seinem Hauptgeschäftsfeld im Wettbewerb mit staatlichen Unternehmen. „Wir fordern das Bundeskartellamt auf, hier die staatlichen und halbstaatlichen Firmen stärker in den Fokus zu nehmen“, betonte Müller. Die Monopolkommission überwache zwar auch die Wettbewerbspolitik von Post und Bahn, habe aber keinen speziellen Blick auf deren Logistiksektor. „Dumpingangebote und Quersubventionen müssen unterbunden werden. Der Staat sollte sein Engagement im Speditions- und Transportgewerbe beenden“, forderte er. Hier bestehe keine wesentliche Aufgabe der staatlichen Daseinsvorsorge.

Nach Übernahmen um die Jahrtausendwende haben sich die halbstaatliche Deutsche Post-Gruppe mit DHL und die komplett staatliche Deutsche Bahn mit DB Cargo und DB Schenker mit großem Vorsprung zu Marktführern im deutschen Logistikmarkt entwickelt. Die Monopolisierung sei schon weit vorangeschritten. Deshalb stellte der Wettbewerbsverein jetzt acht Forderungen auf, damit in diesem Wirtschaftszweig künftig mehr Chancengleichheit herrscht: Etwa, dass die Bundesregierung und die EU die Transport- und Logistikbranche stärker beachten und für bessere Wettbewerbsbedingungen sorgen sollen. Unfaires, wettbewerbsverzerrendes Handeln (halb-)staatlicher Unternehmen gelte es, zu unterbinden. (ag)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special MARKT FÜR TRANSPORT, SPEDITION UND LOGISTIK.

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