DLK BVL Urbane Logistik

Diskutierten in Berlin Lösungen für die urbane Logistik (v.l.): Prof. Dr. Uwe Clausen (Fraunhofer IML), Dr. Wibke Mellwig (BWVI Hamburg), Dr. Christian Jacobi (Agiplan), Frank Sportolari (UPS) und Kuno Neumeier (Logivest)

©Anja Kiewitt

Deutscher Logistik-Kongress 2018: Chancen für die urbane Logistik

Experten diskutierten in Berlin Chancen und Risiken. Sie fordern einen stärkeren Dialog, um die Herausforderungen für die letzte Meile der Zukunft zu bewältigen.

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Berlin. Die zunehmende Verstädterung in Deutschland und der wachsende E-Commerce stellen die Verkehrsinfrastruktur in den Städten hierzulande immer stärker auf die Belastungsprobe. Und ein Ende ist nicht in Sicht: 2030 werden 79 Prozent der Deutschen in Städten leben, geht aus der neuen Studie "Urbane Logistik 2030" hervor, die die Unternehmensberatung Roland Berger heute beim Deutschen Logistik-Kongress der Bundesvereinigung Logistik (BVL) vorstellte. Gleichzeitig erwarten bereits heute 50 bis 60 Prozent der "Millenials", so wird die Generation der derzeit 20- bis 40-Jährigen genannt, eine Same-Day-Zustellung ihrer Bestellungen aus dem Netz, erklärte Tobias Schönberg, Senior Partner von Roland Berger in Berlin.

Lösungen nicht 1:1 adaptierbar

In der Sequenz "Urbane Logistik" des Kongresses diskutierte der Berater gemeinsam mit weiteren Experten konkrete Konzepte, um die Infrastruktur an den Wandel anzupassen und eine effizientere Abwicklung der Lieferverkehre in der Stadt zu erreichen. Ein Ansatz seien Kooperationen zwischen den Kommunen und den KEP-Dienstleistern, wie etwa im Projekt "SMILE- Smart Last Mile Logistics" der Logistik-Initiative Hamburg. Eine Blaupause gebe es allerdings nicht, betonte Dr. Christian Jacobi, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Agiplan. "Die Städte können voneinander lernen, aber die Lösungen sind nicht 1:1 adaptierbar", so der BVL-Vorstand.

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E-Mobilität nicht der alleinige Heilsbringer

Eine Verlagerung von Lieferverkehren in die Tagesrandzeiten beziehungsweise in die Nacht stellte Prof. Dr. Uwe Clausen Institutsleiter vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund zur Debatte. Zudem brauche es mittelfristig neue, klare und einheitliche Rahmenbedingungen für den städtischen Wirtschaftsverkehr. Dabei sei die Elektromobilität nicht der Heilsbringer schlechthin. Auch neue Technologien wie die additive Fertigung, etwa im 3D-Druck-Verfahren, eröffnen dem Forscher zufolge neue Möglichkeiten für Logistiker in Form von "hybriden Dienstleistungen".

Lastenfahrräder als Teil der Lösung

Lastenfahrräder werden ebenfalls aktuell von mehreren Dienstleistern erprobt. Sie erfordern aber mehr Personal pro Paket als ein herkömmliches Zustellfahrzeug. Angesichts des derzeitigen Personalmangels sei dieses Thema nicht zu unterschätzen, so Clausen. Eine Alternative wären autonome Fahrzeuge, die aber aus rechtlichen Gründen hierzulande noch nicht vollumfänglich eingesetzt werden können. Frank Sportolari, Präsident von UPS Deutschland in Neuss, berichtete dennoch von sehr positiven Erfahrungen mit Lastenrädern, etwa in München. Sie kämen sowohl bei Absendern als auch Empfängern sowie den Mitarbeitern gut an, die ihre Arbeit nun direkt in der Innenstadt beginnen können, ohne vorher durch den Berufsverkehr zum Hub am Stadtrand und wieder zurück fahren zu müssen. Zudem schaffe das Projekt mehr Platz in der Niederlassung Garching.

Parkhäuser als Umschlagplatz in der Stadt

Als weitere Option für die städtische Logistik brachte Kuno Neumeier, Geschäftsführer des Logistikimmobilienmaklers Logivest, die Nutzung von Parkhäusern auf den Tisch. In München gebe es aktuell zwei derartige Projekte, bei denen das Untergeschoss jeweils als Umschlagzone diene. Allerdings seien solche konkreten Beispiele, die auch realisiert würden, in Deutschland rar. Dass die Kommunen die Last nicht alleine tragen können, betonte Dr. Wibke Mellwig, Leiterin der Abteilung Hafen und Logistik und stellvertretende Amtsleiterin Hafen und Innovation bei der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation BWVI in Hamburg. Auch die Unternehmen seien gefordert, die künftig stärker zusammen arbeiten müssten. Nicht jeder könne einfach seinen eigenen Container in die Stadt stellen.

Kooperation unter Wettbewerbern schwierig

Eine Kooperation zwischen den Dienstleistern lehnte Sportolari von UPS weitgehend ab: Zu unterschiedlich seien Produkte, Systeme und Datenströme der Wettbewerber. "Das geht nicht. Ich könnte genausogut argumentieren: Warum haben wir nicht nur einen Buchladen?", so der UPS-Chef. Dennoch räumte er ein: "Wenn wir glauben, dass etwas funktionieren wird, weil das von Beamten auf dem Schreibtisch geplant worden ist, dann irren wir uns. Es ist die Aufgabe der Wirtschaft." 

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