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Ewald Raben

Raben-CEO Ewald Raben: "Ich will diesen Wettbewerb nicht noch weiter verschärfen"

©VR/Erol Gurian

Das plant Raben mit seinem Speditionsnetz in Deutschland

Warum er in Deutschland auf ein eignes Netz setzt, was sich für Frachtführer dadurch ändert, wie es mit seinen Kooperationen weitergeht, sagt Ewald Raben, CEO der Raben Group im Interview.

VerkehrsRundschau: Sie waren bislang Gesellschafter von System Alliance und Partner von diversen Stückgutkooperationen Deutschland. Nun setzen Sie auf Ihr eigenes Netz. Warum?

Ewald Rabem: Im Januar 2017 wird Raben Group mit 26 eigenen Sammelgut-Niederlassungen in Deutschland präsent sein. Ich denke, wir haben dann so viel Volumen, dass wir durch eine Abwicklung über unser eigenes Netz mehr Synergien heben können, als wir das heute tun. Das ist der Grund, warum wir uns ab 2018 für diesen Weg entschieden haben. Wir kommen deshalb nach wie vor gut mit den Kooperationen aus, auch wenn wir dort nicht mehr als Gesellschafter sein werden, aber für individuelle Systempartnerschaften sind wir nach wie vor offen.

26 Standorte sind eine ganze Menge. Nach Expertenmeinung braucht es aber mindestens 40 Standorte in Deutschland, um ein flächendeckendes Stückgutnetz in Deutschland zu etablieren.

Die von Ihnen genannten 14 Standorte ergänzen wir durch langfristige vertragliche Vereinbarungen mit festen Systempartnern. Unter anderem arbeiten wir hier mit den Speditionsbetrieben Streck Transport und Honold Logistik sowie einigen anderen Partnern zusammen.

Sie sind in den letzten Jahren durch etliche Übernahmen in der Speditionsbranche aufgefallen. Setzen Sie diesen Aufkaufkurs fort, und welche Art von Unternehmen wäre da für Sie attraktiv?

Wir haben, wie gesagt erst einmal ausreichend Sammelgut-Standorte, um hierzulande mit eigenem Netz tätig zu sein. Zudem haben wir langfristige vertragliche Vereinbarungen mit festen Partnern geschlossen, natürlich auch um diesen Sicherheit zu geben.

Sie sagen, dass Sie sich von Ihrem eigenen Netz mehr Synergien versprechen. In welchen Bereichen liegen diese, und wie wollen Sie diese erschließen?

Wir arbeiten dann in jeder unserer Niederlassungen insgesamt mit einer eigenen IT, mit einem einheitliches Raben-Produkt und damit einem einheitlichen Kundenversprechen. Die größten Synergien sehen wir in den Hauptläufen, mit denen wir künftig unsere eigenen Niederlassungen verbinden. Das ist für uns ein Riesenvorteil.

Gleichwohl begeben Sie sich mit Ihrem eigenen Netz nun noch stärker in Konkurrenz mit anderen Kooperationen und Netzen. Werden Sie jetzt eine Wettbewerbsstrategie fahren – sprich mit Niedrigpreisen den Markt aufrollen oder aber über eine Qualitätsstrategie?

Der Preis im deutschen Stückgutmarkt ist jetzt schon extrem niedrig. Gleichzeitig kämpft unsere Branche mit einerseits sehr hohen Personal- und Frachtführer-Kosten und andererseits sehr hoher Kapital-Intensivität, etwa im Umschlagsdepot- und IT-Bereich. Wenn wir Geld verdienen wollen, wird das ganz sicher nicht über noch niedrigere Preise sein. Es macht keinen Sinn, diesen Wettbewerb weiter zu verschärfen. Wir setzen auf Qualität.

Was bedeutet Ihr neues eigenes Netz für Frachtführer?

Operativ wird sich für diese nichts ändern. Diese fahren ja nach wie vor für uns. Ich behaupte sogar, dass Sie durch unser eigenes Netz ein noch stabileres Umfeld für sich haben. Sprich: sie haben zum Beispiel jeden Tag die gleichen zeitlichen Abläufe. Das dürfte ihnen gefallen.

Was bedeutet Ihr eigenes Netz nun für Ihre bestehenden Verträge mit diversen Stückgut-Kooperationen, in denen Raben noch Gesellschafter ist, zum Beispiel für System Alliance?

Den Gesellschaftervertrag mit System Alliance haben wir zum Ende 2017 gekündigt. Bis dahin sind unsere Niederlassungen in Prenzlau, Regensburg, Reichenberg bei Würzburg, Mönchengladbach und Nürnberg noch für System Alliance tätig. Bereits 2016 haben wir die Niederlassungen in Heilbronn, Wuppertal und Mittenwalde bei Berlin gekündigt, die ebenfalls noch für System Alliance tätig sind. Durch die Kündigung verlieren wir natürlich den Gesellschafterstatus bei System Alliance. Wir stehen aber gerne unterstützend auch weiterhin als Systempartner der Kooperation zur Verfügung. Das wird aber alles im Laufe des Jahres 2017 geklärt werden. Bis Ende 2017 sind wir ja noch regulär Gesellschafter von System Alliance.

Über Ihre gekaufte Spedition Balter sind Sie zudem Partner bei Cargoline. Was wird aus dieser Partnerschaft?

Auch darüber sprechen wir derzeit mit Cargoline. Das wird sich in den kommenden Wochen klären.

Was wird mit Ihrer Partnerschaft ILN? Dort betreiben ja die Standorte in Braunschweig, Mannheim und Bremen Trans-Shipment-Points (TSPs) für ILN.

Unsere Partnerschaft mit ILN wird 2017 auslaufen. Unsere Zusammenarbeit mit den Kooperationen Online Systemlogistik, VTL und Star wird hingegen weiterlaufen. In diesen drei Verbünden sind wir ja nicht Gesellschafter, sondern verteilen für diese lediglich Sendungen.

Was passiert mit Dachser – da sind Sie ja ebenfalls Partner im Lebensmittel-Netz European Food Network – zusammen mit anderen Speditionsunternehmen?

An dieser Kooperation ändert sich überhaupt nichts. Das ändert sich durch unser eigenes Stückgutnetz in Deutschland nicht. Im Stückgutgeschäft wird aber natürlich Kampf sein (lacht).

Wie viel Umsatz macht Raben in diesem Jahr in Deutschland und von welcher Größe gehen Sie mittelfristig bis 2020 aus?

2016 werden wir in Deutschland rund 420 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Zu unseren Umsatzzielen für das Jahr 2020 kann ich Ihnen heute beim besten Willen noch nichts sagen. (eh)

Das Interview führte VerkehrsRundschau-Redakteurin Eva Hassa

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special LKW-LANDVERKEHR & STÜCKGUT.

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