Michael Frenzel

Bahn-Aufsichtsrat Michael Frenzel tritt zurück

©Carsten Koall/dpa/picture-alliance

Bahn-Aufsichtsrat Frenzel tritt mit Kritik an Politik zurück

Der ehemalige Tui-Chef legt sein Aufsichtsratsmandat zu Mitte Juli nieder. Als Grund nennt er die stärkere Einmischung der Politik in die Belange der Deutschen Bahn.

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Berlin. Bahn-Aufsichtsrat Michael Frenzel kritisiert den wachsenden Einfluss der Politik auf die Deutsche Bahn und tritt daher laut einem Bericht des „Manager Magazins“ aus dem Kontrollgremium des Staatsunternehmens zurück. Der frühere Tui-Chef lege sein Aufsichtsratsmandat mit Wirkung Mitte Juli nieder, meldete das Blatt. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn wollte sich am Mittwoch zu „Angelegenheiten des Aufsichtsrates“ gegenüber der Deutsche Presse-Agentur nicht äußern.

Dem Schritt waren nach Darstellung des Blatts „strittige Gespräche“ mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vorausgegangen. Frenzel sagte dem „Manager Magazin“: „Ich halte den Weg, der im Koalitionsvertrag vorgezeichnet ist, dass die Erzielung eines Gewinnes bei der Bahn nicht mehr vorrangig ist, für grundlegend falsch.“ Die unternehmerische Verantwortung des Vorstandes und des Aufsichtsrates drohten durch massive politische Einflussnahme ausgehöhlt zu werden: „Der Weg zurück zur Staatsbahn gefährdet langfristig die Ziele der Bahnreform, einen modernen, leistungsfähigen und rentablen Schienenverkehr zu organisieren.“

Mehr Einfluss der Politik auf die Bahn

In Kreisen der Bundesregierung kursieren den Angaben zufolge schon länger Vorschläge, die Kapitalseite des Aufsichtsrats komplett mit Politikern zu besetzen und Manager wie den ehemaligen Tui-Chef Frenzel oder den Stahlunternehmer Jürgen Großmann hinauszudrängen. Damit würde der Einfluss der Politiker bei der Bahn wachsen. Seit einigen Wochen ist der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Michael Odenwald, neuer Aufsichtsratschef der Bahn.

Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD einen „Schienenpakt von Politik und Wirtschaft“ verabredet. Demnach sollen bis 2030 doppelt so viele Menschen mit der Bahn fahren und mehr Güter auf der Schiene transportiert werden: „Für uns steht als Eigentümer der Deutschen Bahn AG nicht die Maximierung des Gewinns, sondern eine sinnvolle Maximierung des Verkehrs auf der Schiene im Vordergrund“, heißt es. (dpa)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special VERKEHRSPOLITIK DEUTSCHLAND.

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Verkehrspolitik Deutschland, Deutsche Bahn

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