Deutsche Wirtschaft schrumpft – Delle oder dauerhafte Abkühlung?

Positive Einschätzungen aus der Logistikwirtschaft - allerdings stammen die Werte aus dem Februar, weshalb die Folgen der Corona-Krise allenfalls am Rande eine Rolle gespielt haben dürften  

©Bodo Marks/dpa/picture-alliance

BVL-Logistikindikator für Februar leicht verbessert

Im Februar hat sich das Geschäftsklima in der Logistikwirtschaft leicht verbessert. Allerdings hat zum Zeitpunkt der Befragung die Corona-Krise zumindest in Deutschland noch keine Rolle gespielt.

Bremen/München. Der Geschäftsklimaindikator der deutschen Logistikwirtschaft ist im ersten Quartal 2020 geringfügig gestiegen im Vergleich zum vierten Quartal 2019. Das geht aus Zahlen hervor, die das Ifo-Institut für die Bundesvereinigung Logistik (BVL) erhoben hat. Demnach gab es eine leichte Aufwärtsbewegung von 96,1 Punkten im November 2019 auf 97,3 Punkten im Februar 2020.

Folgen der Coronavirus-Infektion noch weitgehend nicht berücksichtigt

Allerdings sind diese Ergebnisse mit großer Vorsicht zu genießen. „In der aktuellen Ifo-Unternehmensbefragung scheinen etwaige Folgen der Coronavirus-Infektion bislang noch keine Rolle zu spielen, da insbesondere die Geschäftserwartungen der Industrieunternehmen sich weiter aufhellten“, lautet die Interpretation der Ifo-Konjunkturexperten. Die Lage rund um die Corona-Krise habe sich erst nach Abschluss der aktuellen Befragungswelle zugespitzt.

"Der Wirtschaftsbereich Logistik wird sich infiziert haben"

„Ohne die Berücksichtigung der Verwerfungen durch Corona wären die Geschäftserwartungen in einem leichten Steigen begriffen, insbesondere bei Handel und Industrie“, kommentierte Thomas Wimmer, Vorsitzender des Vorstandes der BVL, die Zahlen. Im Normalfall hätten dann die Logistikdienstleister einige Wochen später nachgezogen. „Doch nun kommt es anders: Wenn in etwa drei Wochen die März-Umfrageergebnisse vorliegen werden, dürfte das Bild dramatisch schlechter aussehen. Die deutsche Wirtschaft und auch der Wirtschaftsbereich Logistik werden sich infiziert haben“, prognostizierte Wimmer.

Auftragsbestände gering

Doch auch ohne Corona waren die Zahlen nicht rundherum positiv. Die Aussichten der Firmen seien auch im Februar von Skepsis geprägt, so dass die pessimistische Grundstimmung der Logistikwirtschaft nun bereits seit Januar 2019 anhalte, heißt es in der Ifo-Stellungnahme. Die Logistikdienstleister würden bei weiter nachgebender Nachfrage so pessimistisch in die Zukunft blicken wie zuletzt im Mai 2009. Grund dafür seien unter anderem die Auftragsbestände, die nach wie vor als zu klein eingestuft würden. Immerhin, die Bewertung der aktuellen Lage durch die Logistikdienstleister fiel etwas günstiger aus.

Im Bereich der Logistikanwender aus Handel und Industrie nahmen die pessimistischen Stimmen im Februar 2020 hinsichtlich der zu erwartenden Entwicklungen in den kommenden Monaten ab. Das Geschäftsklima verbesserte sich laut Ifo-Institut den fünften Monat in Folge. Trotzdem bleibt der Indikator weiterhin im negativen Bereich.

Der Logistikindikator wird monatlich berechnet. Zu dessen Ermittlung werden mehr als 4.000 Unternehmen befragt. Darunter befinden Anbietern von Logistikleistungen (60 Prozent Güterverkehr (ohne Luftfracht); 40 Prozent Speditionen und Logistik) sowie von Verladerseite Unternehmen aus den Bereichen des verarbeitenden Gewerbes (66 Prozent) und des Handels (Großhandel: 17 Prozent; Einzelhandel: 17 Prozent). (cd)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special LKW-LANDVERKEHR & STÜCKGUT.

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Lkw-Landverkehr & Stückgut, Wimmer, Thomas, Verband – BVL


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