16.05.2008 |

Widerstand gegen Tiefensees Mautpläne

München. Der vom Bundesverkehrsministerium vorgelegte Vorschlag zur Mautharmonisierung stößt auf offene Ablehnung der Gewerbeverbände. Das Bundesverkehrsministerium plant in den der VerkehrsRundschau vorliegenden Entwürfen für die neuen Mautverordnungen drei Maßnahmen, um das deutsche Transportgewerbe zu entlasten.

Über Kleinstbeihilfen, so genannte De-Minimis-Förderung, will Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) Unternehmen mit bis zu 33.000 Euro pro Jahr gefördern. „Mit den Verbänden ist hierzu ein Förderkatalog in den Bereichen Qualifizierung, Beschäftigung, Sicherheit und Umwelt erarbeitet worden“, verweist Ministeriumssprecher Sven Ulbrich auf die monatelangen Gespräche mit der Branche. Zudem soll das ursprünglich bis September 2008 befristete Innovationsprogramm um neun Monate verlängert werden (die VR berichtete). Außerdem hat das Verkehrsministerium die Pläne zurückgezogen, Euro-5-LKW bei den Mautklassen bereits 2009 abzustufen. Solange keine Euro-6-Fahrzeuge im Markt sind, bleiben Euro-5-LKW in der günstigsten Mautklasse.

„Der vorgelegte Gesetzentwurf erscheint zur Erreichung des angestrebten Harmonisierungsziels nicht geeignet und wird abgelehnt“, schreibt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einem Schreiben an das Verkehrsministerium. Der DIHK sieht - wie auch zahlreiche andere Verbände - in den De-Minimis-Beihilfen eine Benachteiligung größerer Unternehmen. Da die Summe der Förderung auf 100.000 Euro verteilt auf drei Jahre beschränkt sei, würden Unternehmen nicht im Verhältnis der von ihnen geleisteten Mautzahlungen entlastet, kritisiert der Verband.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) hat berechnet, ab welcher Betriebsgröße es kritisch wird. Demnach beträgt pro Fernverkehr-LKW das harmonisierungsbedingte Umfinanzierungsvolumen 950 bis 1000 Euro. Das bedeutet, dass das Beihilfevolumen eines Unternehmens etwa bei dem 35. Fahrzeug ausgeschöpft ist. „Wir gehen davon aus, dass davon 2000 Unternehmen betroffen sind“, sagt Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des BGL. Das seien zudem häufig Firmen, die international im harten Wettkampf stünden. „Wir werden nicht zulassen, dass Klein- und Großbetriebe gegeneinander ausgespielt werden“, kündigt Schmidt an.

Unterstützung erhält Tiefensee vom SPD-Verkehrspolitiker Uwe Beckmeyer, der sich jedoch „weitere unternehmenspolitische Lösungen“ vorstellen kann. Dagegen unterstützt sein Kollege von der CDU, Dirk Fischer, die Kritik des BGL. Ein weiteres Konfliktfeld in der Großen Koalition kündigt sich an. Zumal Fischer betont: „Bei der Frage einer Mauterhöhung hält meine Fraktion so lange den Daumen drauf, bis die Harmonisierung für das Gewerbe zufriedenstellend gelöst ist.“

Nach Ansicht von Schmidt befinden sich die Gespräche zur Harmonisierung derzeit in einer Sackgasse. Dabei gäbe es nach seiner Ansicht durchaus einen Ausweg, und zwar in Form einer Mautrabattregelung. Demnach sollten Firmen, die einen Mautumsatz von mehr als 350.000 bis 400.000 Euro pro Jahr haben, ein Mautrabatt von bis zu 13 Prozent gewährt werden. Dieser Rabatt würde nur für den über der besagten Summe liegenden Anteil der Mautzahlungen gelten.

Das Verkehrsministerium weist diesen Ansatz zurück: „Ein Mautrabatt für Vielfahrer widerspricht der mit Einführung der Maut verbundenen Zielsetzung, die Nutzer der Autobahnen verursachergerecht an der Finanzierung der von ihnen verursachten Wegekosten heranzuziehen. Wer viel fährt, die Infrastruktur schädigt und die Umwelt belastet, soll dafür auch angemessen zahlen“, so das Ministerium auf VerkehrsRundschau-Anfrage. Zudem würde ein ‚Vielfahrerrabatt’ ausländische Nutzer begünstigen. Die Entlastungen für das deutsche Gewerbe wären folglich mit einer großen Streuwirkung verbunden, weist das Ministerium den BGL-Vorschlag zurück. (sb)

Lesen Sie mehr zum Thema Mautharmoniserung in der aktuellen Ausgabe 20 der VerkehrsRundschau. HIER können Sie ein Abo bestellen. Die geplanten Mautsätze stehen am Ende dieser Seite als pdf-Datei zum kostenlosen Download bereit.

 
Anzeige
 

Kommentar verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der VerkehrsRundschau veröffentlicht. Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter dem Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

 

16.05.2008Artikelinformationen

Social Networking
Bildnachweis
(Foto: ddp/Bollig)

VerkehrsRundschau mobil

Gefahr/gut-Umfragegewinnspiel

Nehmen Sie jetzt an unserer kurzen Umfrage zur IMO Erklärung teil.

Sichern Sie sich einen von drei BestChoice-Einkaufsgutscheinen im Wert von 50,-€, einlösbar bei 200 Partnern in über 25.000 Filialen.

[Jetzt teilnehmen]

Frachtenbörsen

Transportausschreibungen

Neueste Kommentare unserer Leser

  • 21.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Glastaxi meint: Die dänischen Spediteure dürfen sich jetzt nicht aufregen, denen konnte es doch nicht wild und...[mehr…]
  • 19.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Jürgen Auth meint: Es müsste folgende Bestimmung bei Kabotage eingeführt werden: Den Fahrern aus den Billiglohnländern...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Transport + Logistik
    Gefährlicher Spatenstich für Bayerns Innenminister
    Deka 1803 meint: Was sagt uns dies: Von Dingen, von denen man keine Ahnung hat, sollte man tunlichst die Finger...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Recht + Geld
    Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz für selbstständige Fahrer
    Thomas Flesch meint: Darf ich jetzt länger fahren?! Laut EU-Recht maximal 90 Stunden Lenkzeit in 2 Wochen und nach diesem...[mehr…]
  • 17.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    hans-ulrich Höfler meint: Als Betroffener kann ich dem nur beipflichten. Wer die Augen im Transportverkehr weit genug öfnnet,...[mehr…]

Frage der Woche

Jahresabo Premium

Jahresabo

Profitieren Sie ein Jahr lang von den Premium-Vorteilen der VerkehrsRundschau!


Mit hochwertiger Prämie! [Bestellen]

Termine

Beliebteste Galerien

Mini-Abo Online

miniabo

Testen Sie jetzt VerkehrsRundschau Online vier Wochen lang für nur 19 €

[Bestellen]

Beliebteste Meldungen