Leipzig. Im Kampf gegen den Klimawandel setzt Deutschland weiterhin auf eine Verlagerung des Verkehrs weg von der Straße. „Wir wollen mehr Verkehr auf die Schiene bringen“, bekräftige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) heute zum Abschluss des Weltverkehrsforums (ITF) in Leipzig. Dies sei unter den 53 vertretenden Staaten weitgehend Konsens. „Wir sind uns einig, dass alle Verkehrsträger ihre Berechtigung haben“, sagte Tiefensee. „Jedoch der Nutzen sollte die Grundlage für die Wahl des Verkehrsmittels bilden.“ Auf längeren Strecken sei deshalb die Schiene zu bevorzugen. Gemeinsam mit der finnischen Verkehrsministerin und diesjährigen ITF-Präsidentin Anu Vehviläinen und dem ITF-Generalsekretär Jack Short stellte Tiefensee die Schlussfolgerungen der dreitägigen Konferenz vor. „Das ITF war ein großer Erfolg“, sagte Vehviläinen. Tiefensee betonte die Entkoppelung des Energieverbrauchs vom Wirtschaftswachstum als eine der zentralen Herausforderungen der Gesellschaft. Short wies auf die wachsende Herausforderung hin, die richtige Balance zwischen der Stärkung von Handel und Mobilität auf der einen sowie der Reduzierung von Energieverbrauch und Emissionen auf der anderen Seite zu finden. Vor dem Hintergrund der großen Abhängigkeit vom Erdöl – 95 Prozent der Energie im Verkehrssektor basieren auf diesem Rohstoff –, dem steigenden Verkehrsaufkommen weltweit und der Notwendigkeit, die klimaschädlichen Emissionen des Verkehrssektors zu senken, forderte Short ein CO2-armes Verkehrssystem „so bald wie möglich“. Das Abschlussdokument des Weltverkehrsforums schlägt ein politisches Maßnahmenpaket vor. Dieses beinhaltet die weitere Entwicklung von Technologien, die Förderung von Forschung in neue Technologien und Kraftstoffe, den stärkeren Einsatz von Informationstechnologien, ein integriertes Mobilitätsmanagement sowie ein Bündel nicht-technologischer Maßnahmen, um die Energieeffizienz zu verbessern und die Emissionen zu reduzieren. Die Politik müsse die Menschen zu Verhaltensänderungen im Verkehrsbereich ermutigen, sagte Vehviläinen. „Deutschland wollte konkrete Ergebnisse“, betonte Tiefensee. „Bis auf wenige Widerstände haben wir eine starke Übereinstimmung erreicht. Ich bedauere, dass durch die USA eine teilweise andere Sichtweise eingeführt wurde“, fasste der SPD-Politiker die Ministergespräche zusammen. Insbesondere kritisierte Tiefensee den Widerstand der USA gegen die Einbeziehung des Luft- und Seeverkehrs in den Emissionshandel sowie die nachhaltige Entwicklung von Biokraftstoffen und dias Senken des Energieverbrauchs. „Wir haben keine Zeit mehr zu diskutieren – wir müssen handeln“, so Tiefensee. „Deshalb hoffe ich, dass durch einen Wechsel im Weißen Haus eine Änderung der Politik herbeigeführt werden kann.“ In Leipzig trafen sich von Mittwoch bis Freitag rund 900 Politiker, Wirtschaftsvertreter und Wissenschaftler auf dem ersten Weltverkehrsforum. Im kommenden Jahr tagt der Kongress Ende Mai unter dem Thema „Verkehr und Globalisierung“. (sb)
Weltverkehrsforum fordert CO2-armes Verkehrssystem
Bundesverkehrsminister Tiefensee kritisiert Widerstand der USA: Entkoppelung des Energieverbrauchs vom Wirtschaftswachstum als zentrale Aufgabe