12.02.2009 |

Weltcontainerschifffahrt: Hapag-Lloyd will höhere Preise durchsetzen

Arndt

Hamburg. Die internationalen Containerreedereien setzen sich auf breiter Front in den wichtigen „Trades“ für eine Erhöhung der Seefrachten ein. Auch die Hamburger Hapag-Lloyd AG sieht sich angesichts „eines nicht mehr kostendeckenden Niveaus“ der Frachtraten zu einer deutlichen Kurskorrektur gezwungen. Nur so sei es möglich, das Serviceniveau und auch das engmaschige Liniennetz zu halten.

Zunächst will die Hamburger Reederei die Raten im Europa-Fernost-Verkehr, im Seeverkehr mit Nordamerika (USA, Kanada, Mexiko) sowie mit Oezanien (Australien, Neuseeland, Südsee) zum 1.April bzw. 1.Mai anpassen. Doch schon jetzt behält sich das Unternehmen weitere Preiserhöhungen „im Laufe dieses Jahres“ vor. Damit solle der seit 2008 einsetzenden „Ratenerosion“ Einhalt geboten werden.
Auch die japanische Reederei MOL hatte vor wenigen Tagen Ratenerhöhungen angekündigt, und zwar in mehreren Teilschritten im laufenden Jahr. Ebenso die dänische Maersk-Gruppe.

Nach VerkehrsRundschau-Informationen fällt die Hapag-Lloyd-Ratenerhöhung besonders deutlich im Fahrtgebiet Europa/Fernost aus, einem der wichtigsten Trades für die Weltcontainerschifffahrt. So sollen beispielsweise die Frachtraten für einen 20-Fuß-Container (TEU) im einkommenden Verkehr (von Asien nach Europa) vom 1.April an die 1000 US-Dollar betragen, einschließlich der wichtigen Zuschläge BAF (Bunkerkosten) und CAF (Währungsausgleich). Für einen „Vierziger“ (40-Fuß-Box) sollen es 2000 US-Dollar sein. Im Verkehr von Europa nach Fernost (eastbound) sollen die Raten mit dem Stichtag 250 US-Dollar beziehungsweise 500 US-Dollar für einen „Vierziger“ betragen.

Für die anderen Fahrtgebiete gelten andere, an diese Märkte angepasste Preiserhöhungen. Die jetzt beschlossene Frachtratenerhöhung fällt in eine Zeit, da die Ladungsmengen erheblich unter Druck stehen. Zugleich werden in diesem und im nächsten Jahr im großen Stil Containerschiffe abgeliefert, darunter auch Frachter mit 10.000 TEU und darüber hinaus. Diese Schiffe kommen damit in einen Markt, der heute schon von Überkapazitäten gekennzeichnet ist. Gunther Kempf, Vorsitzender des Nautischen Vereins zu Hamburg, hält es für nicht ausgeschlossen, dass im Laufe dieses Jahres bis zu 900 Containerschiffe weltweit beschäftigungslos aufliegen.

Ob Hapag-Lloyd und auch ihre Mitbewerber ihre Preisvorstellungen daher mit Erfolg durchsetzen können, bleibt spannend, so die Kommentare von Vertretern aus der Verkehrswirtschaft. Mit Sorge verfolgt die Schifffahrtsbranche derzeit die Entwicklung in China, dem großen Impulsgeber für den Fernost-Container-Verkehr. So gingen die Ausfuhren Chinas im Januar 2009 um gut 17,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat als Folge der weltweiten Nachfrageschwäche zurück. Die Einfuhren lagen sogar um rund 43 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Regierung in Peking will über ein Sonderkonjunkturprogramm im Wert von umgerechnet 500 Milliarden Euro die eigene Wirtschaft wieder ankurbeln. (eha)

 
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