Hamburg. Nach Monaten fortwährender schlechter Nachrichten über die Lage auf den Weltschifffahrtsmäkrten deutet sich ab 2010 so etwas wie ein zarter Silberstreif am Horizont an. Sowohl die Containerschifffahrt, als auch die Bulker- und Tanker-Tonnage könnten wieder mit einer verstärkten Nachfrage und auch mit einem verbesserten Frachtraten und Charter-Gefüge rechnen. Diese Einschätzung vertrat Prof. Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen auf dem jüngsten Schifffahrts-Symposium der Hamburger Reederei- und Emissionhaus-Gruppe Hansa Treuhand, das jetzt in der Elbe-Stadt ausgerichtet wurde. Nach den katastrophalen Einbrüchen in der Weltcontainerschifffahrt im ersten Halbjahr kommt es demnach inzwischen zu einer gewissen Beruhigung des Marktes und damit zu einer gewissen Verringerung der Mengenrückgänge. Ab 2010 sei wieder mit einem stabileren Wachstumskurs zu rechnen. Auch die Containerschiffflotte stehe vor einer substanziellen Flottenerweiterung. Der aktiven Flotte von rund 4700 Frachtern stehe ein Orderbuch von knapp 1100 Schiffen gegenüber. „Bei der Flottenstruktur gibt es einen klaren Trend zu größeren Schiffen“, sagte Lemper. So seien in den Orderbüchern derzeit allein 136 Frachter mehr und 12.000 TEU mehr bei den Werften kontraktiert. Zum Vergleich: Von den bisherigen „Arbeitspferden“ auf den Ost-West-Routen – Frachter zwischen 8000 und 9000 TEU – sollen bis 2012 insgesamt 72 Einheiten entstehen. Was für die Bulker- und Tankerfahrt gilt, trifft auch für die Containersparte zu. Für eine Marktentlastung könnte eine beschleunigte Verschrottung sorgen. Vor allem Tonnage, die zwischen 22 und 25 Jahren alt ist, böte sich für eine beschleunigte Verschrottung an. Ebenfalls marktentlastend könnte die Stornierung von Aufträgen sein. Genaue Zahlen über Auftragsrücknahmen seien allerdings sehr schwierig zu bekommen. Mit einer Rückkehr zu einem nachhaltig wirkenden Transportmengenwachstum rechnet Lemper ab dem Jahr 2011 in der Containerschifffahrt. Mengenwachstum bei Massenguttransporten ab 2010 Zu den Bereichen, für die sich ebenfalls eine leichte Belebung abzeichnet, gehört auch der Massenguttransportsektor. Zwar werde es im laufenden Jahr beim Bulk-Transportaufkommen einen Rückgang um gut vier Prozent geben. Doch ab 2010 sei bereits wieder mit einem Mengenwachstum zu rechnen, das sich in der Größenordnung von 1,8 Prozent einpendeln dürfte. Für 2011 sei sogar mit einem Plus von 4,8 Prozent zu rechnen, womit wieder an das Wachstum vor Ausbruch der Krise angeknüpft würde. Einmal mehr erweist sich China als wichtiger Impulsgeber für den Bulkmarkt, da dort der Bedarf an Rohstoffen für die Stahlproduktion zunimmt. Das große Problem der Massengutschifffahrt seien die weiterhin sehr hohen Neubaubestellungen. Für den Zeitraum 2009 bis 2012 sei die Ablieferung von rund 3300 Bulkern geplant. Das entspricht knapp der Hälfte der fahrenden Flotte, die im Juli rund 7450 Schiffe umfasste. Derzeit sei aber nicht genau abschätzbar, ob auch tatsächlich alle Bauvorhaben verwirklicht werden können, weil zum Beispiel die Finanzierung nicht gesichert ist. Dieser Finanzierungsengpass könnte in der Tat einen marktstabilisierenden Effekt haben. Doch auch wenn nicht alle Order in Schiffe umgesetzt werden, seien diese Zuwächse „einfach zu viel für den Markt“, so der Experte. Eine gewisse Entlastung könnte das beschleunigte Abwracken von Bulker-Tonnage bringen. Denn heute sind gut ein Viertel der Flotte 20 Jahre und älter. Mit dem Ausbruch der Krise bis heute sind mehr als 200 Bulker in Hochofenschrott umgewandelt worden. Der Tankermarkt wird sich nach ISL-Einschätzungen ebenfalls ab 2010 wieder erholen. Auch die Tankerflotte stehe vor einer nachhaltigen Ausweitung. Der fahrenden Flotte von derzeit gut 7600 Einheiten stünden Werftaufträge von knapp 1400 Schiffen gegenüber. Allein bis Ende diesen Jahres sollen mehr als 600 Tanker ausgeliefert werden, wobei der Schwerpunkt bei Schiffen in der Größenordnung bis rund 20.000 Tonnen Tragfähigkeit liegt. Eine etwa gleich hohe Anzahl an Tankern soll dieses Jahr allerdings auch abgewrackt werden. Was für die Bulker zutrifft, hat auch für die Tanker Gültigkeit: Bei den Betellungen muss in vielen Fällen noch die Finanzierungsfrage geklärt sein. Zu einer wirksamen Marktentlastung beim Transportraumangebot dürfte die beschleunigte Stilllegung von Einhüllen-Tankern ab 2010 als Folge der verschärften Umweltschutzbestimmungen sorgen. (eha)
Welt-Schifffahrt: Silberstreif am Horizont ist erkennbar
Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik sagt für 2010 eine wachsende Nachfrage und verbesserte Frachtraten voraus