01.10.2009 | Transport + Logistik

Verdi droht mit Streik bei der Post

Nürnberg. Die Gewerkschaft Verdi droht mit einem Streik bei der Post. Das Post-Management stelle ohne Not den derzeit geltenden Tarifvertrag infrage, sagte der Leiter der Bundesfachgruppe Postdienste, Rolf Bauermeister, am Donnerstag in Nürnberg. Die Post AG wolle die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich erhöhen und die bereits vereinbarte Lohnerhöhung um drei Prozent zum Dezember aussetzen - trotz eines angepeilten Jahresgewinns von 1,2 Milliarden Euro.

Derzeit verhandeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer über einen neuen Tarifvertrag zum Rationalisierungsschutz. Denn von 2010 an kann die Post über die bisher erlaubten Bezirke hinaus unbegrenzt Arbeiten an andere Zusteller auslagern. Die Gewerkschaft fürchtet allein durch die angestrebte Arbeitszeitverlängerung bundesweit um 6000 Stellen; beim sogenannten Outsourcing kämen weitere hinzu. Wenn es bis zum 5. November keine Einigung gebe, werde bundesweit sofort gestreikt, betonte Bauermeister. Mehr als drei Viertel der rund 180 000 Beschäftigten seien organisiert.

„Wir haben eine sehr massive Bedrohungslage durch den Arbeitgeber, der uns erpresst“, sagte Bauermeister. Der Pressesprecher der Post in Bayern, Dieter Nawrath, entgegnet hingegen: „Wir wollen diesen Tarifvertrag ja nicht kündigen, wir wollen Gespräche führen. Hintergrund ist, dass wir es mit einem sinkenden Briefmarkt in Deutschland zu tun haben und darauf natürlich reagieren müssen.“ Das Unternehmen halte es bei der derzeitigen, niedrigen Inflation für zumutbar, die Tariferhöhung um ein Jahr zu verschieben.

Unter den 180 bayerischen Betriebsräten, die sich am Donnerstag in Nürnberg trafen, gab es für die Forderungen der Unternehmensleitung kein Verständnis. „Die Post ist ein kerngesundes Unternehmen, und vom Vorstand kommt die Botschaft, als stünden wir kurz vor der Pleite“, sagte Fachbereichsleiter Anton Hirtreiter. Zwar wolle man der Bevölkerung einen Arbeitskampf gerade vor Weihnachten gerne ersparen. Doch die Stimmung unter den Beschäftigten sei explosiv. (dpa)

 
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