10.10.2005 |

Verband: Biodiesel wird knapp

Berlin/Hamburg. Die hohen Kraftstoffpreise haben so viel Nachfrage nach günstigem Bio-Diesel ausgelöst, dass die Hersteller nicht mehr liefern können. „Die Produktion kommt nicht mehr mit“, sagte Petra Sprick, die Geschäftsführerin des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie. „Die Kapazitäten sind voll ausgelastet.“ An vielen der rund 1900 Tankstellen in Deutschland, die Biodiesel anbieten, ist der Kraftstoff gegenwärtig nicht mehr zu haben. „Dabei handelt es sich um ein normales Markt-Phänomen“, sagte Sprick. Die Verarbeitungskapazität für Raps, den Haupt-Rohstoff von Biodiesel, sei begrenzt.

Der Raps wird zunächst in Ölmühlen zu Rapsöl und dann in Biodiesel-Anlagen weiter zu Kraftstoff verarbeitet. Die Kapazitäten liegen bei fünf Millionen Tonnen in der ersten und zwei Millionen Tonnen in der zweiten Verarbeitungsstufe. Der Absatz betrug im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Tonnen, wird jedoch in diesem Jahr deutlich auf 2,0 Millionen Tonnen steigen. Die Branche will die Kapazität ihrer Biodiesel-Anlagen im nächsten Jahr auf drei Millionen Tonnen steigern. Insgesamt werden in Deutschland jährlich rund 29 Millionen Tonnen Diesel verbraucht.

„Bei vielen Verbrauchern ist wegen der hohen Dieselpreise die Schmerzgrenze erreicht“, sagte Sprick. Sie weichen auf Biodiesel aus, weil der Liter um 10 bis 20 Cent günstiger ist. Dieser Preisunterschied besteht zwar auch bei einem niedrigeren Preisniveau, wird jetzt aber bei den Kunden offensichtlich stärker wahrgenommen.

Biodiesel ist nicht für alle Fahrzeuge geeignet; vor allem moderne Dieselmotoren können Probleme mit dem Sprit bekommen. Seit dem vergangenen Jahr mischen jedoch die großen Mineralölkonzerne bis zu fünf Prozent Biodiesel in ihren herkömmlichen Treibstoff, was für alle Fahrzeuge unproblematisch sei. Die Ölfirmen nehmen mittlerweile rund 40 bis 45 Prozent des in Deutschland verkauften Biodiesels ab. Weitere 40 Prozent gehen an Speditionen und große Fuhrparks. Bei den Tankstellen landen nur zehn Prozent des Biodiesels; die restlichen fünf Prozent werden in der Landwirtschaft verbraucht. (dpa)

 
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