Transportmarkt: Hoffen auf ein Ende der Krise

02.06.2009 17:57 Uhr
Konjunktur
© Foto: ddp

Das aktuelle Transportmarkt-Barometer deutet auf ein Ende der rapiden Talfahrt hin, doch die Trendwende ist noch nicht erreicht

Basel/Mannheim. Die neuen Ergebnisse des Transportmarkt-Barometers deuten darauf hin, dass zumindest der Abwärtstrend bei den Auftragseingängen gestoppt ist. Allerdings zeichnet sich bei den Preisen keine Erholung ab. Die Marktforscher der Institute Progtrans und ZEW sehen nach ihrer aktuellen Befragung einen Silberstreif am Himmel der Transportkonjunktur. „Die Talsohle scheint erreicht, aber der Aufschwung lässt noch auf sich warten“, heißt es bezüglich der Mengenentwicklung. Bei den KEP-Diensten werden nach Auswertung der Marktforscher die Entwicklungen am günstigsten, aber auch im Straßengüterverkehr als relativ stabil eingeschätzt. Bei der Luft- und Seefracht herrsche noch am stärksten Pessimismus vor; aber auch die Perspektiven der Massenverkehrsmittel des Landverkehrs, der „klassische“ Schienengüterverkehr und die Binnenschifffahrt, sowie der Containerverkehr müssen noch auf den Aufschwung warten. Demnach ist in diesem Quartal erstmals seit dem zweiten Quartal 2008 wieder die Zahl der Unternehmen gestiegen, die mit einem steigenden Verkehrsaufkommen im kommenden Halbjahr rechnen – und zwar über alle Verkehrsträger. Beispielsweise erwarten im nationalen Straßengüterfernverkehr im zweiten Quartal 16,5 Prozent der Befragten eine höhere Tonnage. Das sind drei Mal so viele wie bei der Befragung vor drei Monaten. Nicht ganz so stark hat die Zahl der Unternehmen zugenommen, die für den Schienengüterverkehr und die Binnenschifffahrt mit steigenden Mengen rechnen. Bei den Bahnen ist der Anteil je nach Relation um bis zu drei Prozentpunkte geklettert, in der Binnenschifffahrt um bis zu 4,8 Prozentpunkte. Am positivsten hat sich die Einschätzung für die Seefracht verändert, vor allem auf der Route Asien/Pazifik. Dort rechnen 24,3 Prozent mit einer höheren Tonnage – 21 Prozentpunkte mehr als im 1. Quartal 2009. Diese Daten bereits als Trendwende zu bewerten, wäre aus mehreren Gründen überbewertet. So rechnet nach wie vor die Mehrheit mit sinkenden Mengen für das kommende Halbjahr. Für den deutschen Straßengüterfernverkehr teilen immerhin 50 Prozent der befragten Unternehmen diese Ansicht. Allerdings sind es im ersten Quartal mit 73,1 Prozent noch deutlich mehr gewesen. Für den Schienengüterverkehr sagen je nach Relation zwischen 54,3 und 58,5 Prozent der Befragten sinkende Mengen voraus. Und für die Binnenschifffahrt schwankt dieser Anteil zwischen 48,3 und 53,1 Prozent. Am positivsten wird die Lage für die Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) beurteilt. So erwarten für den deutschen KEP-Markt nur 33,8 Prozent ein sinkendes Aufkommen im kommenden Halbjahr. Fast die Hälfte geht davon aus, dass sich nichts verändern wird, und 18,3 Prozent sagen ein steigendes Volumen voraus. Ein weiterer Grund, diese positiven Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren: Die Werte für die Erwartungshaltung bei den Mengen waren im ersten Quartal 2009 auf ein historisches Tief abgerutscht. So rechneten auf der Asien-Pazifik-Route in der Seeschifffahrt vor drei Monaten 1,4 Prozent der Befragten mit Mengensteigerungen. Eine Verschlechterung dieses Wertes war also kaum möglich. Ähnlich war auch die Lage bei den anderen Verkehrsträgern, wenn auch nicht mit ganz so negativer Erwartungshaltung. Das Transportmarkt-Barometer liefert aber noch weitere Informationen, die darauf hindeuten, dass Aussagen über eine Trendwende womöglich doch verfrüht sind – zumindest aus Sicht der Transportdienstleister. Denn bei den Frachtraten hat sich im Straßen-, Schienengüterverkehr, im Kombinierten Verkehr und im KEP-Markt der Trend sogar noch verstärkt, dass die Preise in den kommenden sechs Monaten sinken werden. Die Experten von Progtrans/ZEW nennen gleich mehrere Gründe für diese Entwicklung: „Sinkende Treibstoffkosten – der Dieselpreis lag im März 2009 so niedrig wie letztmals im Februar 2005, ein zunehmender Wettbewerb bei sinkender Nachfrage und tendenziellen Überkapazitäten sowie teilweise deutliche Preisanhebungen in den letzten Boomjahren, die man jetzt zu korrigieren versucht.“ (cd/sb)

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