07.02.2012 | Transport + Logistik

Streit der Bahnverbände: UIRR geht auf Konfrontation mit CER

Brüssel. Der europäische Dachverband für Kombinierten Verkehr UIRR geht auf Konfrontation mit dem größten europäischen Dachverband der Eisenbahnunternehmen CER. Der Streit geht um die Frage, ob eine strikte Trennung zwischen Betreibern von Schienennetzen und des Bahnverkehrs grundsätzlich zu befürworten sei oder nicht. UIRR spricht sich erneut ausdrücklich für die so genannte Entflechtung aus. „Unternehmen des kombinierten Verkehrs sind wichtige Anbieter von qualitativ hochwertigen Bahndienstleistungen und vertreten den Standpunkt, dass es keinen besseren Weg gibt, diese Effizienz zu erreichen, als durch Wettbewerb“, lässt sich UIRR-Präsident Rudy Colle in einer Pressemitteilung zitieren.

Sein Verband reagierte damit auf ein Seminar, das CER vergangene Woche im Brüsseler EU-Parlament veranstaltet hatte. Im Mittelpunkt stand dabei ein Bericht über die Auswirkungen der Liberalisierung des britischen Eisenbahnmarktes. Den grundsätzlich positiven Auswirkungen stand die Feststellung gegenüber, dass der britische Eisenbahnverkehr 30 Prozent teurer sei als in anderen EU-Ländern. Grund dafür sei eine schlechte Abstimmung zwischen den Betreibern der Infrastruktur und der Bahnunternehmen.

CER folgert daraus, dass Entflechtung nicht immer zu positiven Ergebnissen führe. Der Verband sieht seine Ansicht durch einen Artikel aus der „Railway Gazette“ unterstützt, in dem Wissenschaftler aus Leeds es verneinen, dass Entflechtung immer positive Effekte bringen. Kopien des Artikels lagen währende des Brüsseler Seminars aus.

UIRR kontert mit einer Studie des britischen Eisenbahnverbands von Anfang des Jahres. In ihr würden zahlreiche Unternehmensfelder aufgelistet, bei denen das britische Modell mit strikter Entflechtung bessere Leistungen erziele als das deutsche Modell. Hier befindet sich die Verwaltung des größten Teils des Schienennetzes unter dem gleichen Dach der Deutschen Bahn Holding, unter dem auch die DB-Bahnunternehmen organisiert sind.

DB und andere Nachfolgeunternehmen ehemaliger Staatsbahnbetriebe, die zumeist CER-Mitglieder sind, haben sich bislang gegen die Pläne der EU-Kommission gewehrt, europaweit eine strikte Entflechtung vorzuschreiben.

Die EU-Behörde hat für Ende des Jahres einen Gesetzesvorschlag zu dem Thema angekündigt. Sie sieht in der Entflechtung eine Möglichkeit, mehr Wettbewerb zu erreichen sowie mögliche Diskriminierung der Bahnunternehmen zu verhindern, die über keine Schieneninfrastruktur verfügen. (kw) 

 
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