Paris. Der jüngste landesweite Streik bei der französischen Staatsbahn SNCF, der mehr als zwei Wochen gedauert hat, dürfte dem Unternehmen Gesamtverluste von bis zu 100 Millionen Euro eingetragen haben. Mindestens 30 Millionen davon würden auf die Bahnfrachtsparte Fret SNCF entfallen, erklärten Bahnchef Guillaume Pepy und der delegierte Generaldirektor für die Frachtaktivitäten inklusive der Geodis-Gruppe, Pierre Blayau, in der vergangenen Woche.
Am 13. Streiktag wies Blayau auch auf die Konsequenzen für die Bahnfracht-Verlader hin. Sie könnten seit Beginn des Ausstands nur noch auf 50 Prozent der Schienenkapazitäten zurückgreifen, und im Kombiverkehr seien die Aktivitäten auf 25 Prozent zurückgegangen.
Inzwischen ist der Streik schon kein Medienthema mehr. Auch bei der Vorstellung der zweiten Stufe des Umweltprogramms "Grenelle de l`environnement" durch die damit befaßten Fachminister wurde er nicht mehr erwähnt und auch nicht von den Journalisten angesprochen. Dabei scheint allen Beobachtern klar, daß sich die im September letzten Jahres proklamierten Ziele zum raschen Verlagern bisher per Straße und Luftfracht transportierter Güter auf die Schiene nunmehr wegen der neuerlichen zweistelligen Millionenverluste bei der Bahnfracht nicht mehr ohne erhebliche Abstriche realisieren lassen werden. Hinzu kommt die durch Griechenland ausgelöste EU- und Euro-Krise, in deren Zuge der Pariser Ministerpräsident François Fillon für die kommenden drei Jahre drastische Ausgaben-Stopps im öffentlichen Bereich angekündigt hat. (jb)