Deutsche Reeder im Wachstumsrausch

Deutsche Reeder dirigieren fast 40 Prozent der Containerschifffahrt

Die deutsche Handelsflotte ist auf eine nie gekannte Größe gewachsen. Gegenwärtig fahren fast 3200 Schiffe deutscher Eigner auf den Weltmeeren, die eine Kapazität von 64,5 Millionen BRZ (Bruttoraumzahl) aufweisen, teilte der Verband Deutscher Reeder (VDR) heute in Hamburg mit. Das ist - gemessen an der Kapazität - im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 11,4 Prozent. In den 17 Jahren seit der deutschen Vereinigung habe sich die Flotte damit verachtfacht, sagte der VDR-Vorsitzende Frank Leonhardt. „Daran lässt sich ablesen, wie die Globalisierung alles verändert hat.“ Allein die Containerflotte unter deutscher Regie wuchs in diesem Jahr um 15 Prozent auf 1473 Schiffe, die 3,55 Millionen Standardcontainer (TEU) transportieren können. Weitere 600 Containerschiffe mit 2,35 Millionen TEU Kapazität sind bestellt. Deutsche Reeder besitzen mit Abstand die weltweit meisten Containerschiffe und dirigieren fast 40 Prozent der Containerschifffahrt. Sie sind damit sowohl Treiber wie auch Gewinner der Globalisierung. „Das ist ein Erfolg der deutschen Schifffahrtspolitik“, sagte Leonhardt. „Nun müssen diese Rahmenbedingungen weiter beibehalten werden.“ Die Reeder profitieren unter anderem von einer günstigen Tonnagesteuer. Nach Schätzungen des VDR hat sich seit 2003 das Bordpersonal unter deutscher Flagge um mehr als 26 Prozent auf gut 14.000 Beschäftigte und die Zahl der Mitarbeiter an Land um 21 Prozent auf 21.800 erhöht. Dazu kommen geschätzte 47.000 Beschäftigte auf Schiffen unter fremder Flagge. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte, dass immer mehr deutsche Schiffe unter Billigflagge in Fahrt kämen. Allein im Jahr 2007 seien durchschnittlich monatlich 30 deutsche Schiffe unter einer Billigflagge wie zum Beispiel Liberia registriert worden. Dazu erklärte Leonhardt, es gebe angesichts der Pensionierungswelle bei Kapitänen und dem knappen Nachwuchs nicht genug deutschsprachige Führungsoffiziere, die als Kapitäne auf Schiffen unter deutscher Flagge vorgeschrieben seien. Nach monatelangen Verhandlungen im Rahmen des maritimen Bündnisses sei das Problem kurz vor einer Lösung. Künftig sollen eventuell auch englischsprachige Kapitäne unter deutscher Flagge das Kommando führen dürfen. Tatsächlich ging die Zahl der Schiffe unter deutscher Flagge von 410 auf 401 zurück. Zu dem aktuellen Streik der Lokführer in der Gewerkschaft GDL bemerkte Leonhardt, dieses Problem betreffe vor allem die Häfen, weniger die Reeder. Am ehesten betroffen seien Container- Linienreedereien, falls die Terminals in den Häfen den Umschlag einstellen müssten. Davon sei bislang allerdings noch keine Rede. In einem solchen Fall könnten die Reeder ihre Schiffe langsamer fahren lassen oder vor den Häfen auf Reede legen. (dpa)

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