Alternative zu Fehmarnbelt: Brücke zwischen Rostock und Gedser

Entscheidung zum Bau einer Querung des Fehmarnbelts steht kurz bevor: dänische Parteien schlagen Alternativprojekt zwischen Rostock und Gedser vor

Kopenhagen/Dänemark. Kurz vor der Entscheidung zum Bau einer Brücke über den Fehmarnbelt haben zwei dänische Parteien ein Alternativprojekt zwischen Rostock und Gedser vorgeschlagen. Der verkehrspolitische Sprecher der oppositionellen Radikalliberalen, Martin Lidegaard, sagte heute in der Zeitung „Jyllands-Posten“, eine solche Querung würde „ganz Osteuropa“ öffnen. Die bisher von den Regierungen ins Auge gefasste Brücke zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødby in Dänemark sei mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Fall der Blöcke eine „veraltete Idee“. Auch die rechtspopulistische Dänische Volkspartei sprach sich für eine Ostseeverbindung nach Rostock aus. Beide Parteien verfügen im Folketing über 20 Prozent der Mandate. Die Bundesregierung und die dänische Regierung wollen bis Ende Juni entscheiden, ob eine knapp 20 Kilometer lange Fehmarnbelt-Brücke für etwa 5,5 Milliarden Euro gebaut werden soll. Die alternative Verbindung zwischen Rostock und Gedser wäre mehr als doppelt so lang. Ein Brückenbau dort wäre aber nach Meinung des von „Jyllands-Posten“ zitierten Verkehrsforschers Per Homann Jespersen wegen wesentlich seichterer Gewässer nur unwesentlich teurer. Im dänischen Parlament treten neben den beiden Regierungsparteien auch die Sozialdemokraten als größte Oppositionspartei massiv für den Bau der Fehmarnbelt-Querung ein, an der auch die schleswig-holsteinische Landesregierung stark interessiert ist. Um deutsche Vorbehalte auszuräumen, haben diese Parteien die Bereitschaft ihres Landes zu einer höheren Kostenübernahme als Deutschland signalisiert. Kopenhagen und Berlin hoffen im Fall einer Einigung auf die Übernahme von knapp 30 Prozent der Baukosten durch die EU. Zur Begründung des Alternativvorschlages sagte Lidegaard, die Verbindung nach Rostock würde den Weg von Kopenhagen nach Berlin um 130 Kilometer kürzer machen als mit einer Fehmarnbelt-Querung. Der Weg nach München würde sich um 160 Kilometer und nach Polen um 230 Kilometer verkürzen. Man müsse die gesamte Diskussion über die deutsch-dänische Ostseeverbindung neu aufrollen. Eine Brücke über den Fehmarnbelt würde die Fahrzeit zwischen Kopenhagen und Hamburg um knapp eine Stunde von viereinhalb auf dreieinhalb Stunden verkürzen. Zwischen Gedser und Rostock verkehren derzeit im Zwei-Stunden-Takt Fähren, die für die Überfahrt eine Stunde und 45 Minuten benötigen. (dpa)

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