Forscher: EU unterschätzt Biokraftstoffe

Potenzial für höhere Beimischungsquote vorhanden: Agrarforscher Piorr fordert nachhaltige Produktion der Ölpflanzen

Eberswalde. Europas Tankstellen könnten nach Ansicht des Eberswalder Agrarforschers Hans-Peter Piorr schon jetzt mehr Biosprit anbieten als von der EU für die Zukunft angepeilt wird. „Die Produktionskapazität wird unterschätzt“, sagte Piorr heute in einem dpa-Gespräch. Das habe eine Untersuchung der europaweiten Raffineriekapazitäten durch die Fachhochschule Eberswalde ergeben. Statt der aktuellen 4,5 bis 5 Prozent könnten den Kraftstoffen schon heute europaweit sechs Prozent Biodiesel und Bioethanol beigemischt werden. „Auch zehn Prozent wären möglich.“ Piorr präsentiert seine Ergebnisse an diesem Montag bei einer Konferenz der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien Eurosolar in Potsdam. Die Kommission hatte als Ziel für 2010 eine Beimischung von 5,75 Prozent ausgegeben. Für 2015 strebt die Bundesregierung EU-weit acht Prozent an. „Wir haben schon heute mehr Produktionskapazität als die EU ahnt“, sagte Piorr. Die Obergrenze für die Beimischung sehe er langfristig zwischen 10 und 20 Prozent. Die höhere Beimischungsquote sei auch ohne Importe von Ölpflanzen oder Getreide aus außereuropäischen Ländern erreichbar. „Bei Zucker und Getreide haben wir zum Beispiel eine Überversorgung von 10 bis 15 Prozent. Die steht für die Energieversorgung zur Verfügung.“ Piorr forderte eine Zertifizierung für importierte Rohstoffe wie Palmöl. „Es muss nachhaltig produziert werden“, sagte der Forscher. Tropenwälder dürften nicht zu Gunsten von Ölpflanzenplantagen gerodet werden. Der Markt in der EU müsse vor dem Import solcher Pflanzenöle geschützt werden. Biodiesel wird in Europa etwa aus Raps gewonnen, Mais, Kartoffeln. Roggen und Weizen werden durch Gärung zu Bioethanol verarbeitet. (dpa)

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