Hannover. Niedersachsens Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will gemeinsam mit den anderen Küstenländern und dem Bund nach Wegen aus der Werften-Krise suchen. So könnte die Bundeswehr prüfen, ob der Bau neuer Marineschiffe vorgezogen werden könne, sagte Rösler in Hannover. „Die Auftragslage muss schnellstmöglich besser werden.“ Das Land Niedersachsen vergibt laut Rösler bereits staatliche Bürgschaften, um den Bau neuer Schiffe zu unterstützen. Die SPD befürchtet, dass einige niedersächsische Werften die Wirtschaftskrise nicht überleben werden, sollten sich die Geschäfte nicht schnell bessern. „Wenn wir nicht handeln, ist 2011 bei den Werften das Auftragsbuch leer, dann sind die 2011 dicht“, sagte der für Schifffahrt zuständige SPD-Landtagsabgeordnete aus Friesland, Olaf Lies. Im Verdrängungswettbewerb könnten niedersächsische Unternehmen nur schwer gegen die Konkurrenz in China und Japan bestehen. Lies schlägt vor, das Land solle einen neuen Innovationsfonds auflegen, damit sich Werften in Zusammenarbeit mit Hochschulen auf dem Markt mit Neuerungen positionieren könnten. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Björn Thümler aus der Wesermarsch, sagte: „Ich bin verhalten optimistisch. Wenn wir Glück haben, bleiben alle an ihren Standorten erhalten, aber bei zwei oder drei ist es kipplig.“ Die Aufträge für die Werften sind drastisch eingebrochen. Nach Angaben der Landesregierung gab es in den ersten sieben Monaten dieses Jahres neun Aufträge für neue Seeschiffe in Deutschland, fünf davon in Niedersachsen. Im gesamten Jahr 2008 wurden noch 46 Schiffe bei deutschen Werften bestellt, 2007 waren es 70. Vor allem der Container-Schiffbau sei von der Krise betroffen, Kreuzfahrtschiffe oder andere Spezialschiffe bisher weniger, schildert Rösler. In Niedersachsen gibt es laut Wirtschaftsministerium 49 Werften, viele davon haben Kurzarbeit angemeldet. Die Wadan-Werften in Mecklenburg-Vorpommern sind als Folge der Wirtschaftskrise insolvent. Aus Sicht von Wirtschaftsminister Rösler sollten Werften einen leichteren Zugang zu staatlichen Hilfsprogrammen bekommen, dazu gehört das Sonderprogramm der staatlichen KfW-Förderbank. Zudem stehen Reeder als Auftraggeber neuer Schiffe laut Rösler zunehmend vor Problemen, weil sich Banken gegen eine Finanzierung sperrten. (dpa)
Schwierige Wege aus der Werften-Krise
Küstenländer suchen gemeinsam mit dem Bund nach Hilfsmöglichkeiten für die angeschlagene Schiffsindustrie