24.01.2012 | Transport + Logistik

Schlussrunde im Hamburger Piraten-Prozess

Hamburg. Der bundesweit erste Piraten-Prozess in Hamburg geht in die Schlussrunde. Nach 14 Monaten teils zäher Verhandlung will die Staatsanwaltschaft an diesem Mittwoch ihr Plädoyer halten. Zehn mutmaßliche Seeräuber aus Somalia müssen sich vor dem Landgericht verantworten, weil sie das Hamburger Containerschiff "Taipan" am Ostermontag 2010 überfallen haben sollen.

Die Schlussphase des Prozesses könnte sich allerdings in die Länge ziehen. Jedem der zehn Angeklagten stehen zwei Pflichtverteidiger zur Seite. Nach dem Schlussvortrag der Staatsanwaltschaft könnten also bis zu 20 Plädoyers der Verteidigung folgen - mindestens zehn müssen gehalten werden. Weitere Verhandlungstermine sind bereits bis Ende März geplant.

Die mit Panzerfäusten und Sturmgewehren bewaffneten Männer hatten das Schiff laut Anklage rund 530 Seemeilen vor der Küste Somalias geentert und knapp vier Stunden in ihrer Gewalt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie die Besatzung gefangen halten und ein Lösegeld erpressen wollten.

Prozess läuft seit November 2010

Die 15-köpfige Crew konnte sich aber in einen Sicherheitsraum retten. Sie wurde Stunden später von einem niederländischen Marinekommando befreit, das die Piraten an Bord festnahm. Verletzt wurde bei der Aktion niemand. Die Niederlande lieferten die Somalier später an Deutschland aus. In Hamburg wird ihnen seit November 2010 der Prozess gemacht.

Eigentlich sollte vier Monate später, im März 2011, ein Urteil fallen. Der Termin musste aber vier Mal nach hinten verschoben werden. Vor allem die zahlreichen Beweisanträge der Verteidigung nahmen viel Zeit in Anspruch. So forderten die Anwälte mehrfach die Einstellung des Verfahrens und die Haftentlassung ihrer Mandanten - etwa mit der Begründung, bei der Auslieferung der Männer an Deutschland sei gegen das Völkerrecht verstoßen worden.

Beweisaufnahme seit Freitag beendet

Die Beweisaufnahme ist nun seit Freitag - nach 70 Verhandlungstagen - geschlossen. Zu Beginn des Prozesses hatte vor allem die Behauptung für Aufsehen gesorgt, dass einer der Angeklagten angeblich erst 13 Jahre alt und damit nicht strafmündig sei. Mehrere Experten zur Altersbestimmung erklärten aber, er sei mindestens 14 Jahre alt, wahrscheinlich sogar älter als 18.

Sollten die mutmaßlichen Piraten wegen Angriffs auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraubs verurteilt werden, drohen ihnen Höchststrafen von bis zu 15 Jahren Haft. Fast alle Angeklagten haben den Überfall vor Gericht mittlerweile eingeräumt - und erklärt, sie hätten etwa aus finanziellem Druck oder aus Angst um ihr eigenes Leben oder das ihrer Angehörigen gehandelt. (dpa)

 
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