Russland beklagt Lücken im Fall „Arctic Sea“

26.08.2009 14:18 Uhr
Piraten
Moskau hat Schweden, Malta und Finnland zur Aufklärung im Fall der "Arctic Sea" aufgefordert um Ermittlungslücken zu schließen
© Foto: Arndt

Schweden, Malta und Finnland zur Aufklärung aufgefordert / Motiv der Piraten unklar / Verdächtigen drohen 20 Jahre Gefägnis

Moskau. Russland hat im mysteriösen Fall des finnischen Frachters „Arctic Sea“ Lücken in den Ermittlungen beklagt und Schweden, Malta und Finnland zur Aufklärung aufgefordert. Unklar sei, mit welchem Motiv die gefassten acht „Piraten“ das Schiff am 24. Juli gekapert hätten, sagte der russische Generalstabschef Nikolai Makarow nach Angaben der Agentur Interfax am Mittwoch. Es müsse auch geklärt werden, ob außer Holz noch andere Fracht an Bord gewesen sei, sagte Makarow vor Journalisten bei einem Besuch von Kremlchef Dmitri Medwedew in der Mongolei. Die lange verschollen geglaubte und vor gut einer Woche vor Westafrika von Russland beschlagnahmte „Arctic Sea“ steht im Verdacht, Waffen geschmuggelt zu haben. Das Schiff wird in der ersten Septemberhälfte im russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk erwartet, wo es von Grund auf durchsucht werden soll. „Wir wissen nicht, was es transportiert hat“, sagte Makarow. „Nach der Inspektion wissen wir mehr.“ Der Sprecher der russischen Ermittlungsbehörden, Wladimir Markin, teilte mit, dass mehrere Länder an der Aufklärung des Falls beteiligt werden sollen, darunter auch Schweden, in dessen Gewässern die „Arctic Sea“ entführt worden war. Gegen die mutmaßlichen Entführer war Haftbefehl wegen Piraterie ergangen. Den überwiegend estnischen Verdächtigen drohen 20 Jahre Gefängnis. Der Geheimdienst in Moskau hält auch die befreiten Seeleute der „Arctic Sea“ fest, um ihre mögliche Komplizenschaft mit den Entführern aufzuklären. Elf Seeleute sind an einem unbekannten Ort in Moskau, der Kapitän sowie drei weitere Seemänner befinden sich noch an Bord des Schiffs. Die „Financial Times Deutschland“ berichtete unter Berufung auf Analysen europäischer Regierungsstellen, dass der Frachter extrem tief im Wasser liege und damit deutlich schwerer sei als bei einer Holzfracht üblich. Militärexperten vermuten, an Bord der „Arctic Sea“ könnten Marschflugkörper aus sowjetischer Produktion geschmuggelt worden sein. Laut Medien könnte es sich um Flügelraketen vom Typ X-55 handeln, die eine Reichweite von 3000 Kilometern haben und mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. (dpa)

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