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23.04.2012Transport + Logistik | Inland

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premiumReeder wollen Verschiebung neuer Schwefelgrenzwerte auf 2020

Schifffahrtsbranche fürchtet Mehrkosten durch teure Treibstoffe und Reinigungstechnik. Zudem rechnen Reeder mit Verkehrsverlagerungen zurück auf die Straße
TT_Line_Fähre

Kritiker der neuen Schwefelnorm fürchten eine Rückverlagerung von Fährverkehren auf die Straße

Foto: TT_Line

Hamburg. Die zum 1.Januar 2015 in Nord- und Ostsee in Kraft tretende, von der IMO beschlossene neue Schwefelobergrenze von 0,1 Prozent im Schiffstreibstoff muss mindestens um fünf Jahre, also bis 2020, verschoben werden. Dafür haben sich am Montag in Hamburg Spitzenvertreter der deutschen Reedereiwirtschaft auf einer Pressekonferenz des deutschen Short Sea Shipping Promotion Center (SPC) ausgesprochen. Die Maßnahme sei zwar als Beitrag zum Umweltschutz zu begrüßen, falle jedoch in eine Zeit größter wirtschaftlicher Herausforderungen für die Schifffahrtsindustrie.

Ganz oben steht dabei die scheinbar nicht mehr zu bremsende Verteuerung der Rohöl-basierten Schiffstreibstoffe, betonte Hanns Heinrich Conzen, Geschäftsführer der zwischen Schweden und Norddeutschland verkehrenden Fährreederei TT-Line. „Wir liegen heute schon bei rund 600 Euro pro Tonne. Mit den neuen Schiffstreibstoff-Qualitäten sowie der absehbaren, weiteren Ölpreisverteuerung könnten wir 2015 sogar bei 1000 Euro pro Tonne liegen.“ Conzen äußerste erhebliche Zweifel daran, ob die Kosten an die Auftraggeber, etwa die Logistikindustrie oder die verladende Wirtschaft, weiter gegeben werden könne. Er geht davon aus, dass es zu massiven Rückverlagerungen von bislang im Kurzstreckenseeverkehr transportieren Mengen auf die Straße kommt. Diesen sogenannten „Modal-Backshift“ könne aber kein Umwelt- und Verkehrspolitiker ernsthaft wollen, ergänzte Conzen.

Conzen forderte zudem „gleiche Wettbewerbsbedingungen in der Schifffahrt“. Denn die scharfen Bedingungen, die ab 2015 für die Nord- und Ostsee gelten sollen, werden andere Meere nicht berühren. „Schifffahrt ist aber immer international“, sagte Conzen.

Die zeitliche Aussetzung der Obergrenzen sei auch deshalb angezeigt, weil eine ausgereifte Abgasreinigungstechnik, so genannten Scrubber, nicht zur Verfügung stünden. Für Bestandsschiffe, und das ist derzeit die Mehrzahl, seien diese Anlagen zudem viel zu teuer. Fünf bis sechs Millionen Euro pro Schiff müssten veranschlagt werden. Hinzu kämen technischen Folgekosten von um die 200.000 Euro pro Schiff und Jahr.

Flüssiggas (LNG) als Ersatztreibstoff sei ebenfalls keine kurzfristig realisierbare Lösung, ergänzte Conzen. So fehle es beispielsweise an einer flächendeckenden Versorgungsinfrastruktur.

Der TT-Line-Geschäftsführer bestätigte, dass die von den neuen Bestimmungen direkt betroffenen Reedereien sich bei der IMO für ein Moratorium einsetzten. (eha) 

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