14.07.2008 |

Private Betreiber contra DB: Y-Trasse umstritten

Hamburg/Hannover. Der Streit geht um den Abtransport der Container von den Häfen: Ist die seit Jahrzehnten geplante Y-Trasse zwischen Bremen/Hamburg und Hannover die beste Lösung, oder geht es schneller und billiger auf privaten Strecken? Entscheiden muss die Politik.

Fest steht: Künftig müssen weit mehr Container von den Häfen per Bahn ins Hinterland gebracht werden. Der Hamburger Hafen wird gegenwärtig von 55.000 Güterzügen jährlich angefahren; bis zum Jahr 2015 sollen es 125.000 sein. Das sind gut 340 Züge pro Tag, mehr als doppelt so viele wie heute. Andere Prognosen sprechen sogar von einer Steigerung um 300 Züge täglich. Nach allen Vorhersagen steigt der Containerumschlag durch den wachsenden Welthandel ohnehin kräftig an. Zusätzlich soll der Anteil der Schiene am Hinterland-Verkehr von gegenwärtig 18 auf mindestens 25 Prozent wachsen. In Bremerhaven sieht die Entwicklung ähnlich aus; dazu kommt in einigen Jahren der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven.

Auf dem vorhandenen Schienennetz, darüber besteht weitgehend Einigkeit, sind die Containermengen nicht zu bewältigen. Die Strecke Hamburg - Hannover über Lüneburg und Uelzen ist bereits jetzt überlastet; auf der Strecke Hamburg - Bremen sieht es nicht besser aus. „ICEs und ICs, Nahverkehrs- und Güterzüge teilen sich die Gleise und behindern sich gegenseitig“, klagt der umweltorientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die Bahn bemüht sich in ihrem Netz, die Probleme abzumildern; so wird die „Heidebahn“ bei Walsrode ausgebaut und zwischen Stelle und Lüneburg ein drittes Gleis gelegt. In einem „Masterplan“ hat die Bahn mehr als ein Dutzend Projekte identifiziert, die zur Linderung der Not beitragen sollen. Die Kostendimension ist erheblich und liegt bei rund 15 Milliarden Euro.

Herzstück der Bahn-Strategie ist die Y-Trasse, die schon seit 1992 im Bundesverkehrswegeplan steht und seit 2003 zum „vordringlichen Bedarf“ gehört. Sie soll von Hannover nach Hamburg führen mit einem Abzweig nach Bremen und ist als Hochgeschwindigkeits-Strecke für den Personenverkehr mit Tempo 300 gedacht. Dadurch, so die Bahn, seien Personen- und Güterverkehr zu „entmischen“. Auf den alten Strecken sollen dann Güterzüge rollen.

Doch die Zweifel an dieser Lösung wachsen. „Die Y-Trasse bringt keine echte Entlastung“, sagt Michail Stahlhut aus dem Vorstand des privaten Bahn-Betreibers OHE (Osthannoversche Eisenbahnen AG). Sie komme zu spät und sei zu teuer. Die Bahn selbst räumt ein, dass mit einem Baubeginn der Strecke erst 2016 zu rechnen sei, wenn die Probleme längst eingetreten sind. Die Kosten werden offiziell mit weniger als zwei Milliarden Euro angegeben; unabhängige Schätzungen, etwa von der Universität Hannover, sind teilweise doppelt so hoch. Entlang der Strecke, die weitgehend neu gebaut werden müsste, gibt es zudem erheblichen Widerstand von Anwohnern und Lokalpolitikern, an denen die Personenzüge vorbeirasen würden. Verbände wie der VCD oder die Fahrgastinitiative „Pro Bahn“ lehnen das Projekt ab.

Die privaten Bahnbetreiber ebenso wie die Umweltverbände setzen auf die „Ertüchtigung“ vorhandener Strecken, die sich nicht im Besitz der Bahn befinden. Dazu zählt neben dem OHE-Netz zwischen Celle, Lüneburg und Winsen auch das Schienennetz der EVB (Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH), das zwischen Uelzen, Soltau, Buchholz und Verden verläuft. „Dieses bestehende Schienennetz könnte durch einen kurzfristigen Ausbau einen wesentlichen Beitrag zur kurzfristigen Problemlösung leisten“, sagt der niedersächsische VCD-Vorsitzende Michael Frömming. Die Kosten wären vermutlich nur halb so hoch wie der Bau der Y-Trasse.

Doch Bahn und Politik verfolgen das Projekt unbeirrt weiter. „Der Ausbau von Regionalstrecken in der Heide kann weder unter kapazitiven noch unter qualitativen Gesichtspunkten das Y ersetzen“, sagt der niedersächsische Verkehrsminister Walter Hirche (FDP). „Es gibt keinen Zweifel, dass die Y-Trasse notwendig ist, um die prognostizierten Mehrverkehre aus den Häfen aufzunehmen.“ Gegenwärtig laufen die Planungen weiter; der Bund hat gerade wieder 20 Millionen Euro dafür bereitgestellt. (dpa)

 
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