31.08.2009 | Transport + Logistik

Postbeschäftigte rüsten sich für Arbeitskampf

Hamburg. Gewerkschaften und Beschäftigte der Deutschen Post rüsten sich für einen Arbeitskampf im Herbst. Der Hamburger Verdi-Fachsprecher Postdienste, Speditionen und Logistik, Wolfgang Abel, kündigte am Montag in der Hansestadt „einen heißen Herbst“ an. Bereits im September werde es ganztägige Betriebsversammlungen geben, bei denen mit den rund 183.000 Mitarbeitern der Post Strategien entwickelt würden.

Die Postspitze verlangt laut Verdi-Chef Frank Bsirske trotz eines Halbjahresgewinns von 557 Millionen Euro eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich und die Aussetzung der tariflich vereinbarten Drei-Prozent-Lohnerhöhung zum 1. Dezember. „Wir müssen das, was da vom Postvorstand kommt ernst nehmen. Eine so systematisch öffentlich durchgezogene Debatte ist kein Zufall“, sagte Bsirske. Zudem forderte er, bei der Bundestagswahl am 27. September nur Parteien zu wählen, die einen gesetzlichen Mindestlohn unterstützen.

Abel sagte, früher sei zwischen der Post und den Gewerkschaften noch der Konsens gesucht worden. Doch das sei seit dem 6. Mai vorbei. Der Postvorstand fahre einen Konfrontationskurs und erzeuge in der Öffentlichkeit eine „professionell aufbereitete Panik“, als wäre der Briefbereich der Deutschen Post ein Sanierungsfall. Dabei mache die Post trotz Weltwirtschaftskrise nach wie vor Gewinn.

„Ab September geht es los. Da werden wir die Beschäftigten großflächig informieren“, kündigte Abel an. Und wenn Postvorstand Frank Appel nicht zur Vernunft komme, dann „ist es auch eine Frage von Selbstachtung zu sagen: ‚So nicht!‘“ Abel wies auf einen durchschnittlichen Organisationsgrad der Gewerkschaften bei der Post von fast 80 Prozent hin. Er „ist so, dass, wenn wir antreten, den Laden auch treffen“, sagte Abel.

Verdi-Chef Bsirske fordert Postmindestlohn

Bsirske forderte den Arbeitgeberverband Post auf, den Postmindestlohn endlich zu beantragen. Außerdem plädierte er für einen gesetzlichen Mindestlohn auf dem Niveau der westeuropäischen Nachbarn – im Mittel bei 8,41 Euro. „Wir plädieren dafür, das westeuropäische Zivilisationsniveau auch in Deutschland durchzusetzen.“ Deshalb habe Verdi auch die Kampagne „Stimmen für den Mindestlohn“ gestartet.

Er kündigte zudem mit der Gewerkschaft NGG für den 12. September einen Aktionstag für den Mindestlohn an – „und zwar in allen größeren Städten und Mittelzentren der Republik“. Dort wolle man gezielt dafür werben, sich für jene Parteien bei der Bundestagswahl zu entscheiden, die sich für Mindestlöhne aussprechen. Dazu zähle auch die Haltung zur Entlohnung von Leiharbeitern. Diese müsse mindestens genauso hoch sein wie die der Festangestellten, sagte Bsirske. (dpa)

 
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