23.04.2007 |

Polizeichef: Geringer Abstand oft Ursache von Lastwagenunfällen

Nürnberg. Ein zu geringer Sicherheitsabstand ist nach Erkenntnissen der Polizei eine der wichtigsten Ursachen von Lastwagen-Unfällen auf den mittelfränkischen Autobahnen. Auch zu hohes Tempo führe immer wieder zu Zusammenstößen von Transportern, berichtete der mittelfränkische Polizeipräsident Gerhard Hauptmannl gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. In letzter Zeit seien auch häufiger angetrunkene Lastwagenfahrer in schwere Unfälle verwickelt gewesen. „Alkohol spielt bei Berufskraftfahrern leider immer noch eine nicht unbedeutende Rolle, obwohl die Zahl der Unfälle bei Trunkenheitsfahrten in den vergangenen Jahren insgesamt zurückgegangen ist“, sagte der Polizeipräsident.

Nach Hauptmannls Erkenntnissen lag die Zahl der Unfälle, an denen Transporter beteiligt waren, im Jahr 2006 mit 2696 um 12 Prozent höher als 2002. Allein 2006 seien 280 Lastwagenfahrer verletzt und 5 getötet worden. Der Sachschaden habe bei rund 12 Millionen Euro gelegen. Die Verkehrsexperten im Nürnberger Polizeipräsidium beobachteten diese Entwicklung genau und versuchten auch mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen entgegenzusteuern. „Lastwagen-Unfälle in Mittelfranken sind aber aus unserer Sicht kein herausragendes Problem“, sagte Hauptmannl. Er räumte aber ein, dass die Folgen für den Verkehr - vor allem auf Autobahnen - oft gravierend seien. Stundenlange Bergungsarbeiten führten oft zu kilometerlangen Staus.

Zu Auffahrunfällen trägt nach Hauptmannls Einschätzung auch eine gewisse Lässigkeit von LKW-Fahrern bei. „Viele Fahrer stellen ihren Tempomat auf rund 80 bis 90 Stundenkilometer ein; daneben kochen sie Kaffee, schauen Fernsehen oder erledigen andere Dinge neben dem Lenken“, berichtete der Polizeichef. Da die Lastwagen wie auf einer Perlenkette aufgereiht über die Autobahn rollten, reiche oft ein kleiner Stau aus, um einen Auffahrunfall mit oft mehreren Lastwagen auszulösen. „Wer neben dem Steuern andere Dinge erledigt, der stellt eine Verkehrsgefährdung dar und wird mit Bußgeld belegt, wenn unsere Beamten so etwas beobachten.“ Für die Streifenwagenbesatzungen sei es aber oft schwer, solche Verfehlungen in den meist hohen Lastwagenführerhäusern auf die Schliche zu kommen.

Verbesserungen bei der Verkehrssicherheit erhoffe sich die Polizei von den seit 11. April 2007 gelten verschärften Lenk- und Ruhezeiten für Lastwagen und Busfahrer. Danach dürfen künftig Berufskraftfahrer nur noch an sechs Tagen aufeinander folgenden Tagen hinterm Steuerrad sitzen, früher seien es zwölf gewesen. Auch digitale Kontrollgeräte in den Lastwagen als Ersatz der früheren Fahrtenschreibenscheiben erlaubten eine bessere Kontrolle der Lastwagenfahrer und ein Herausfiltern der schwarzen Schafe in der Branche. Insgesamt habe die Polizei im vergangenen Jahr auf mittelfränkischen Straßen 65.000 Lastwagen kontrolliert; bei 8200 sei sie auf defekte Bremsen und abgefahrene Reifen oder andere Beanstandungen gestoßen, in 860 Fällen untersagte die Polizei eine Weiterfahrt. (dpa/tz)

 
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