20.10.2008 |

Planer nehmen Y-Trasse in Angriff

Hannover/Hamburg. Die Containerflut in Hamburg und Bremerhaven wächst Jahr um Jahr und mit dem geplanten Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven kommt weiterer Verkehr: Um den drohenden Kollaps auf den Schienen ins Binnenland zu verhindern, sind Bahn und Politik um zügige Lösungen bemüht.

Nach langer Diskussion sind Vorplanungen zum Bau der umstrittenen Y-Trasse von Hamburg und Bremen nach Hannover jetzt angelaufen. Nebenstrecken sollen vorübergehend als Ausweichrouten genutzt werden und ein Sofortprogramm von Bahn und Bund zielt auf die Beseitigung von Engpässen vor allem im Norden. Eine Studie des niedersächsischen Verkehrsministeriums prüft außerdem die Nutzung von Privatbahnen durch die Lüneburger Heide.

"Der Bau der Y-Trasse ist unumstritten nötig", sagt der Sprecher der im Netzbeirat der DB zusammengeschlossenen Verkehrsunternehmen, Wolf Gorka. Wenn erst die ICE-Züge auf den neuen Gleisen rollten, werde auf den alten Strecken Kapazität für zusätzliche Güterzüge frei. Schon lange vorher aber, in vier bis fünf Jahren, drohe der Stau auf den Schienen, "dann können wir gar nichts mehr machen".

Deshalb seien schnelle Ausweichlösungen nötig. Im Blick hat Gorka Nebenstrecken wie die Linie Oldenburg-Osnabrück, die Heidebahn von Hamburg über Soltau und Walsrode nach Hannover und die Privatbahnen in der Heide.

"Mittelfristig werden wir die Zuwächse nur über Umleitungen und Nebenstrecken bewältigen", sagt der Sprecher der Deutschen Bahn in Norddeutschland, Egbert Meyer-Lovis. Kürzlich hätten Bund und Bahn sich auch auf ein 300-Millionen-Euro-Sofortpaket zur Beseitigung von Engpässen im bestehenden Güternetz verständigt. Schwerpunkte im Norden sind die Bahnknoten Hamburg und Bremen, die Strecken von Bremen nach Hannover, Bremerhaven und Osnabrück sowie der Bahnhof Uelzen. Entlastung vor Vollendung der Y-Trasse verspricht die Bahn sich auch von dem bis 2012 vorgesehenen Bau eines dritten Gleises vom Rangierbahnhof Maschen südlich von Hamburg bis Lüneburg. "Das entzerrt gewaltig."

Nach Bewilligung der Planungskosten für die Y-Trasse durch Bund und Land habe die Bahn die Vorbereitung der Planfeststellung bereits gestartet, sagt der Sprecher des Verkehrsministeriums in Hannover, Christian Budde. "Die Y-Trasse ist nicht das Allheilmittel", räumt er indes ein. Um die ursprünglich nur für ICE-Züge angedachte Verbindung auch für den Güterverkehr zu nutzen, müssten drohende Engpässe bei Hamburg und Hannover bereits in der Planung berücksichtigt werden. Gedacht ist ein zusätzliches Gleis bei Hamburg sowie zur Umfahrung von Hannover ein Abzweig nach Celle. Die vor der Veröffentlichung stehende Studie des Ministeriums untersucht auch die kurzfristige Nutzung von Nebenlinien und Privatbahngleisen.

Die in Bürgerinitiativen zusammengeschlossenen Gegner der Y-Trasse fürchten nicht nur Lärm und eine Verschandelung der Landschaft, sie werfen der Bahn auch Planungsfehler vor, wie Landschaftsarchitekt Dirk Eberle sagt. Konzipiert worden sei die Y-Trasse für den Schnellverkehr und nicht für Güterzüge. Außerdem sei das Privatbahnnetz bei den Abwägungen bisher unberücksichtigt geblieben. "Es gibt preisgünstigere und schnellere Alternativen", ist er sich sicher. "Ich möchte von neutraler Warte aus ein Gutachten, dass die ökonomischen und ökologischen Aspekte abwägt." (dpa)

 
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