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03.02.2014NFZ + Fuhrpark

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premiumPlanenschlitzer auf ostdeutschen Autobahnen

Wenn Fernfahrer in ihren Trucks schlafen, werden verstärkt Diebesbanden aktiv. Sie rauben die LKW aus, ohne dass die Fahrer das merken.
Parkende LKW bei Nacht

In Deutschland fehlen rund 10.000 LKW-Parkplätze. Das ruft Kriminelle auf den Plan

Foto: Picture Alliance/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Erfurt. Es ist Nacht, als Zoltan Solyom seinen Lastwagen auf dem Parkplatz an der Autobahnraststätte Eichelborn in Thüringen abstellt. Hier wird der aus Ungarn kommende Fernfahrer in seinem Truck schlafen, bevor es nach der Sonntagspause weiter geht. „Auf Parkplätze, die dunkel sind und keine Raststätte haben, stelle ich mich lieber nicht“, erzählt er.

Immer wieder waren Autobahnparkplätze in den vergangenen Monaten das Ziel sogenannter Planen-Schlitzer: Kriminelle, die die Planen parkender Lastzüge aufschneiden und die Fahrzeuge ausrauben, während die Fahrer schlafen. Ihre Beute reichte von Flachbildschirmen über Markenturnschuhe bis hin zu Spielkarten oder Baby-Windeln.

„Betroffen sind meist kleinere Parkplätze, wo die Täter mit weniger Publikumsverkehr rechnen müssen“, sagt Christian Cohn von der Thüringer Autobahnpolizei. Aber auch den gut beleuchteten Rastplatz in Eichelborn habe es schon erwischt. In Thüringen häufen sich die Fälle vor allem auf der A4 und der A38 seit dem vergangenen Herbst. Im letzten Quartal 2013 traf es dort bei 18 Raubzügen 88 Lastwagen, 14 davon raubten die Täter aus.

In Sachsen-Anhalt registrierte die Autobahnpolizei Börde auf der A2 und A14 im vergangenen Jahr 107 betroffene Fahrzeuge. In Sachsen wurden nach Angaben des Landeskriminalamtes 57 Fälle verzeichnet. Die Schlitzer schlagen auch in anderen Bundesländern zu. Bundesweite Fallzahlen gibt es laut Bundeskriminalamt aber nicht, die Vorfälle seien Teil der allgemeinen Diebstahlstatistik.

Erst schlitzen, dann schauen

„Die Täter schlitzen erst auf und gucken, ob es was zu holen gibt“, schildert Johannes Stoye von der Autobahnpolizei Börde die Strategie der Diebe. „Sie müssen mindestens mehrere Kleintransporter oder LKW für die Beute dabei haben.“ Polizei und Transportbranche vermuten organisierte Banden als Täter.

„Das sind Profis, die genau wissen, wo was zu holen ist und so vorsichtig rangehen, dass die Fahrer nicht aufwachen“, sagt Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). „Man kann fast den Eindruck bekommen, dass die auch über Insiderwissen verfügen.“ Die Ladung sei in der Regel versichert. „Aber das ist oft eine langwierige Geschichte, bis der Schaden reguliert ist.“

Vor allem LKW aus Osteuropa betroffen

In Sachsen-Anhalt richteten sich die Angriffe vor allem gegen Lastwagen aus Osteuropa. „Die transportieren hochwertige Güter“, sagt Stoye. Zudem hätten die Fahrer oft Probleme damit, in deutscher Sprache die Polizei zu verständigen. „Das dauert entsprechend - und die Täter können entwischen.“ So seien die Fälle schwer aufzuklären. Die bestohlenen Fahrer selbst kommen laut Polizei bei den Raubzügen in der Regel körperlich unversehrt davon.

Ein Schutz vor den Planen-Schlitzern ist praktisch unmöglich. „Man kann nie wissen, wann, wo und wie die Täter zuschlagen“, sagt Christian Cohn von der Thüringer Autobahnpolizei. Der BGL empfiehlt Fernfahrern, nachts keine kleinen, unbeleuchteten Parkplätze anzusteuern - vor allem dann nicht, wenn sie besonders wertvolle Fracht transportieren. „Rastplätze und Autohöfe sind besser“, sagt Hauptgeschäftsführer Schmidt. Dass dort jedoch 10.000 LKW-Parkplätze fehlen, ist ein bekanntes Problem in der Branche.

Raubzüge auf fahrende LKW in Hessen und NRW

Inzwischen beschränken sich Laster-Überfälle nicht mehr nur auf geparkte Fahrzeuge mit schlafenden Fahrern. Auf Autobahnen in Hessen und Nordrhein-Westfalen machten jüngst halsbrecherische Raubzüge auf fahrende Lastwagen Schlagzeilen. Dabei fuhren die Täter auf der Autobahn hinter den Lastwagen von internationalen Paketdiensten und enterten diese bei hoher Geschwindigkeit.

Zoltan Solyom hat in seinen fünf Jahren als Fernfahrer in Deutschland bisher keinen Diebstahl erlebt. „Ich bin vorsichtig“, sagt er. Und im Zweifelsfall könne er ganz rasch die Trucker-Kollegen alarmieren, meint er und drückt spaßeshalber die Hupe. Von Selbsthilfe rät Christian Cohn allerdings dringend ab. „Den Helden spielen sollte man auf keinen Fall.“ (dpa)

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