05.02.2010 |

Piratenangriff: NATO-Einheiten stürmen erstmals Schiff

Kopenhagen/Brüssel. Die vor Somalias hochgefährlicher Küste operierenden Marineeinheiten unter dem Dach von NATO und EU haben erstmals ein von Piraten gekapertes Schiff gestürmt, dabei aber keine Seeräuber mehr vorgefunden. Wie ein EU-Sprecher am Freitag in Brüssel mitteilte, reagierten die im Golf von Aden patrouillierenden Einheiten auf einen Notruf des slowenischen Frachters „Ariella“. Sie konnten alle 25 Besatzungsmitglieder wohlbehalten aus dem Schutzraum im Schiffsinneren holen, in dem sie sich verbarrikadiert hatten. Ganz in der Nähe habe zeitgleich ein Schiff der russischen Marine ein zweites von Piraten gekapertes Schiff geentert, hieß es weiter.

Allerdings fanden Spezialisten der dänischen Marine bei der Erstürmung der „Ariella“ nicht die vermuteten Piraten vor. „Wir wissen nicht, ob sie das Schiff vielleicht verlassen haben, als sie unseren Hubschrauber sahen, oder ob sie vorher von sich aus aufgaben“, sagte der zuständige Stabssprecher Michael Bill in Kopenhagen. Das bestätigte auch der Kapitän der „Ariella“ im Rundfunk.

Die Besatzung hatte am Freitagmorgen in ihrem Notruf mitgeteilt, dass bewaffnete Piraten das Schiff geentert hätten. Die Kommandobrücke der auf Barbados registrierten „Ariella“ war dann völlig verwaist, wie Spezialisten der „European Naval Force (NAVFOR) schon von ihrem Helikopter aus ermittelt konnten. Das Schiff lief mit Autopilot.

In der Erklärung der EU hieß es, die Entscheidung zur Erstürmung des Schiffes durch Spezialisten sei erst gefallen, als sicher gewesen sei, dass die Besatzung in Sicherheit war. Den Notruf von der „Ariella“ hatte zunächst ein indisches Schiff aufgefangen.

Die „Absalon“ patrouilliert zusammen mit anderen Schiffen als Teil von kombinierten NATO- und NAFVOR-Einheiten am Horn von Afrika, um Schiffskaperungen durch Piraten zu verhindern oder Geiseln zu befreien. Das Handelsschiff „Ariella“ gehört nach Angaben aus Brüssel der slowenischen Schiffsgesellschaft Splosna Plovba. Zur Crew gehörten vornehmlich Philippinos sowie zwei Europäer, ein Bulgare und ein Slowake. (dpa)

 
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