04.04.2007 |

Ostseeforscher warnen vor Umweltfolgen einer Fehmarnbeltbrücke

Rostock. Eine Brücke über den Fehmarnbelt könnte nach Ansicht von Experten aus dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde schwere Folgen für die Umwelt haben. Wie das Institut heute mitteilte, wurden an den Pfeilern der Brücke über den Großen Belt zwischen den dänischen Inseln Seeland und Sprogø Turbulenzen in der Wassersäule festgestellt. Sollten solche Verwirbelungen auch an der geplanten Fehmarnbeltbrücke entstehen, könnte der Zustrom sauerstoffreichen Wassers aus der Nord- in die Ostsee empfindlich gestört werden. Als Folge könnten Tiere und Pflanzen großflächig sterben, hieß es.

Über den Großen Belt und den Fehmarnbelt liefen drei Viertel des Wasseraustauschs zwischen Nord- und Ostsee. Das sauerstoffreiche Wasser fließt dabei in einer Tiefenströmung durch die Meerenge. Dieser Strom vermische sich an der bestehenden Brücke messbar mit dem weniger salzhaltigen Oberflächenwasser. Mit dem geringeren Salzgehalt werde das sauerstoffreiche Wasser leichter und könne daher nicht mehr so weit in die Tiefenbecken der Ostsee vordringen. Eine weitere Brücke könnte diesen Effekt der Untersuchung zufolge noch verstärken.

Die Umweltbewertung des Projekts einer festen Fehmarnbeltquerung habe bislang nur das reine Volumen des Wasseraustauschs betrachtet, wie auch schon bei der Brücke über den Großen Belt, hieß es. Dort seien Küstenbereiche abgetragen worden, um die Gesamtmenge des durchströmenden Wassers gleich zu halten. Angesichts des beschriebenen Strömungsverhaltens in verschiedenen Wassertiefen reiche dies jedoch nicht aus.

Die Entscheidung darüber, ob eine Brücke über den Belt zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland gebaut wird, soll in den nächsten Wochen fallen. Ende Februar hatten sich Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und sein dänischer Amtskollege Flemming Hansen auf ein Finanzierungspaket zur Errichtung einer 5,5 Milliarden Euro teuren Brücke geeinigt. Die Zustimmung aus Kopenhagen zu der von Deutschland geforderten Kostenverteilung liegt allerdings noch nicht vor. Mit einem Bau könnte 2012 begonnen werden. (dpa)

 
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