Rostock. Die von der EU geplante drastische Reduzierung des Schwefelanteils bei Schiffstreibstoffen wird nach Ansicht der Rostocker Fährreederei Scandlines zu massiven Wettbewerbsverzerrungen führen. „Wir befürchten, dass es zu einer weiteren Ladungsverlagerung vom Wasser auf die Straße kommt“, sagte der Geschäftsführer der Scandlines GmbH, John Steen-Mikkelsen, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Schon heute würden im europäischen Ost-West-Verkehr wegen des wesentlich billigeren LKW-Diesels in Osteuropa 90 Prozent der Güter auf der Straße transportiert. „Mit den teuren Umweltauflagen wird das noch zunehmen“, betonte Steen-Mikkelsen. Den Planungen der Internationalen Schifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen (IMO) zufolge soll der Schwefelgehalt im Schiffstreibstoff auf Nord- und Ostsee von derzeit 1,5 Prozent auf 1,0 Prozent bis 2010 und 0,1 Prozent bis 2015 sinken. Weltweit soll ab 2012 der Schwefelgehalt von heute 4,5 auf 3,5 Prozent sinken, ab 2020 dann auf 0,5 Prozent. Laut Steen-Mikkelsen sollen diese Regelungen noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Das Problem sei, dass im ersten Reduzierungsschritt auf 1,0 Prozent Schwefelgehalt der Preis um ein Fünftel steigen wird, der zweite hätte eine Steigerung um noch einmal 60 Prozent zu Folge. „Wir glauben nicht, dass unsere Kunden bereit sind, das zu bezahlen“, betonte der Scandlines-Manager. Auch sei noch nicht geklärt, ob die Destillate dann überhaupt ausreichend zur Verfügung stünden. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hatte für die Reduzierung wegen der hohen Sensibilität von Nord- und Ostsee geworben. Es sei auch sinnvoll, in Regionen anzufangen, die schon weiter auf diesem Gebiet fortgeschritten sind. Die Reduzierung auf 0,1 Prozent hat nach den Worten von Steen-Mikkelsen aber noch eine weitere, umweltschädliche Folge: Es werde bei der Herstellung des Destillats sehr viel Energie verbraucht und damit Kohlendioxid produziert, was den positiven Effekt des geringeren Schwefelgehaltes wieder aufhebe. Steen-Mikkelsen kritisierte weiter, dass in Europa verschiedene Regelungen gelten sollen. So seien das Mittelmeer und die Irische See nicht davon betroffen. „Eine Antwort der internationalen Reeder könnte auch sein, dass sie keine deutschen, sondern spanische oder französische Häfen anlaufen. Von dort geht es dann auf der Straße nach Deutschland – das kann nicht sein.“ (dpa)
Ostsee-Reeder fürchten Wettbewerbsverzerrungen
Fährreederei Scandlines protestiert gegen Güterverlagerung aufgrund teurer Schiffstreibstoffe